Mittwoch, 22. Februar 2012

Rezension "Der Parzival-Code und die Externsteine" von Achim Köppen und Horst Burger



Der Parzival-Code und die Externsteine
Achim Köppen und Horst Burger
Taschenbuch
168 Seiten
Erscheinungsjahr: k. A.
Verlag: Horst Burger
ISBN 978-3-000-28475-5
9,99 €



Der Weg zu mir: Über die Leserunden bei LovelyBooks komme ich immer wieder auf interessante Bücher, die mir sonst ggf. nicht aufgefallen wären. „Der Parzival-Code und die Externsteine“ ist so ein Buch. Die Externsteine kenne ich von dem einen oder anderen Besuch der Sonnenwendfeiern (als diese dort noch erlaubt waren), daher war klar, dass ich mich sofort bewerben musste. Einen lieben Dank an Achim Köppen, der die Leserunde selbst begleitet und Fragen beantwortet hat.

Der erste Satz: „Georg Lang deutete auf das Bild einer Germanen-Grabstätte, das von einem Beamer auf eine Leinwand projiziert wurde.“

Das Äußere:  Das broschierte Buch hat ein ungewöhnliches Format: mit ca. 15 x 21 cm geht es nicht mehr als „normales“ Taschenbuch durch. Vielmehr hatte ich den Eindruck, eine Art Sachbuch oder Ratgeber in der Hand zu halten. Mir ist das „Buch-Gefühl“ immer sehr wichtig, und das bekomme ich bei diesem Format nicht so recht. Leider ist beim Setzen des Buches zudem ein technischer Fehler aufgetreten, das den Lesegenuss etwas erschwert: Viele fehlende Absätze. Damit wird dem Leser an der einen oder anderen Stelle eine Transferleistung abverlangt, die er sonst nicht leisten muss. Dafür ist die Aufteilung der Kapitel mittels Kapitelüberschriften – zum großen Teil jeweils mit Angabe von Ort und sogar Tageszeit - gut gemacht und bringt den Leser dadurch immer auf den Stand der Dinge. 

Das Innere: Wir lernen Georg Lang kennen, Geowissenschaftler und Dozent. Er befindet sich im Handlungsstrang "Gegenwart" und wird kontaktiert von einem etwas undurchsichtigen Herrn Dr. Walter Müller, der seine Expertise an den Externsteinen benötigt. Lang ist sich nicht sicher, was er davon halten soll, und geht erst einmal auf Abstand. Kurz darauf taucht die Archäologiestudentin Miriam Weber bei Lang auf und möchte von ihm wissen, was aus ihrer Schwester Tessa geworden ist, die nach einem Kontakt mit Dr. Müller spurlos verschwunden ist. Lang unternimmt daraufhin gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Dr. Richard Bauer die Untersuchung der Externsteine auf eigene Faust – nur um bald darauf von einer Geheimorganisation verfolgt zu werden, die vor nichts zurückschreckt…

Der zweite Handlungsstrang findet in der Vergangenheit statt. Edgar de Brion und Philipp, zwei Tempelritter, werden damit beauftragt, einen Schrein mit wohl brisantem und wichtigem Inhalt aus Jerusalem heraus und in Sicherheit zu bringen. Die Reise Richtung Deutschland ist mit zahlreichen Stolpersteinen versehen, denn die Verfolger sind ihnen bereits auf der Spur. Erst Wolfram von Eschenbach kann das Blatt wenden…

Im Laufe des Romans werden beide Handlungsstränge miteinander verwoben, so dass sich nach und nach das Geheimnis um die Externsteine und den Schrein lüftet.

Das Wesentliche:  Der Einstieg ins Buch gelingt mühelos, und Spannung wird auch direkt aufgebaut. Der Leser kann den Weg von Georg Lang von Bielefeld aus über Dortmund, Tübingen, Rom und Jerusalem verfolgen. Auf seinem Weg kann er sich auf seinen Freund Richard Bauer verlassen, der ihn in jeder Hinsicht unterstützt. Ich konnte mir beide Protagonisten gut vorstellen, und habe mich gefreut, dass mit der Studentin Miriam Weber auch eine weibliche Hauptperson eine wesentliche Rolle spielte. Miriam sorgt sich um ihre verschwundene Schwester, und so wird aus den dreien ein Team, das sich gegen die Geheimorganisation rund um den geheimnisvollen Dr. Müller behaupten muss. 

Denn an den Externsteinen gibt es etwas, was bisher niemand entdeckt hat: einen Hohlraum, bei dem mit Hilfe eines tragbaren Gammastrahlen-Detektors eine gewisse Strahlung zu messen ist. Was sich dort verbergen könnte, erschließt sich im zweiten Handlungsstrang. Hier nehmen die beiden Tempelritter mit ihrer geheimen Fracht den umgekehrten Weg – von Jerusalem nach Deutschland.

Der Roman ist so konstruiert, dass in der Gegenwart eher Dialoge stattfinden, während die Geschehnisse in der Vergangenheit mehr durch Beschreibungen übermittelt werden. Das brachte mich an der einen oder anderen Stelle etwas ins Stolpern, denn ich habe dadurch nicht immer ganz nachvollziehen können, wieso die Protagonisten sich so verhalten, wie sie es tun. Ein Beispiel: Die Studentin Miriam Weber überfällt Georg Lang mit der Information, dass ihre Schwester verschwunden ist und sie davon ausgeht, dass Lang dahintersteckt. Sie scheint zunächst aufgebracht zu sein, ist jedoch kurz darauf schon bereit, ihm zu vertrauen, dass er nichts mit dem Verschwinden ihrer Schwester zu tun hat. Und das nur, indem sie ein paar Worte gewechselt haben. 

Ich vermisse an ein paar Stellen die Gefühle. Es passiert viel, aber was das in den Protagonisten auslöst bleibt manches Mal im Dunkeln. Und das wiederum erschwert, die Handlungsweisen zu verstehen. Es gibt beispielsweise auch eine kleine Liebesgeschichte im Roman, deren Entstehung die beiden Autoren durchaus etwas mehr Zeit hätten geben können – oder alternativ ganz weglassen. 

Ein interessantes Gestaltungselement sind die im Buch verwendeten Bilder. Hier werden zum Teil historische Kunstwerke gezeigt, auf die die Wissenschaftler bei ihren Recherchen stoßen und die sie immer ein kleines Stück weiter bringen auf ihrem Weg, das Geheimnis um die Externsteine zu lösen.

Gut gefallen haben mir die verschiedenen Schauplätze, an denen die Handlung spielt und die Wissenschaftler ihre Recherchen betreiben. Das machte die Geschichte rasant und vielseitig. Für Ortskundige sind ein paar lokale Bezüge eingestreut (z. B. bestimmte Lokale, Namen von Autobahnausfahrten), die mir persönlich immer Spaß machen. 

Außerdem gibt es einen spannenden Show-Down zum Ende des Buches (und dies in beiden Handlungssträngen), da ging mir das Umblättern der Seiten nochmal schneller von der Hand.

Das Buch hat übrigens reale Hintergründe: Es basiert auf den archäologischen Forschungsunterlagen von Horst Burger, die Achim Köppen mit eigenen Recherchen – insbesondere bezogen auf die Passagen, die in der Vergangenheit spielen – und die Romanhandlung angereichert hat. Gerade das macht für mich den Reiz des Buches aus: es könnte ja doch etwas Wahres dran sein ;-) Horst Burger betreibt übrigens ein Ingenieurbüro für archäologische und geophysikalische Bodenuntersuchungen. Den Gammastrahlen-Detektor nutzt er dabei tatsächlich. 

Das Fazit:  Auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung für alle, die Bücher rund um Verschwörungen und Geheimorganisationen mögen. Auf der knappen Anzahl an Seiten ist mächtig viel Inhalt untergebracht, so dass man als Leser ständig gespannt darauf ist, was wohl als nächstes geschieht. Die Entwicklung der Story hätte ich mir an ein paar Stellen detaillierter gewünscht, will sagen: die Geschichte hätte deutlich mehr Seiten vertragen können. Dann wären die Charaktere sicher plastischer geworden, und ich hätte mich besser hineinversetzen können. Daher vier von fünf Leselöwen. Einen weiteren Leselöwen muss ich leider noch dafür abziehen, dass das Lesen des Buches durch fehlende Absätze nicht komplett den Genuss bringt, den der Leser hätte haben können.

Die Bewertung: 

1 Kommentar:

  1. Ohne deine Rezension wäre ich nie auf solch ein Buch gekommen. Die ersten 22 Lebensjahre habe ich ganz in der Nähe der Steine verbracht und war natürlich mehrmals dort, leider nie zu den Festen. Allein deswegen muss ich es auch mal lesen. Danke dir! LG

    AntwortenLöschen