Sonntag, 26. Februar 2012

Rezension "Der Regler" von Max Landorff



Der Regler
Max Landorff
Broschiert
335 Seiten
Erscheinungsjahr: 2011
Scherz Verlag
ISBN 978-3-502-11066-8
13,95 €




Der Weg zu mir: Auf den Regler bin ich – wie soll es anders sein – auch über LovelyBooks gekommen. Durch die Werbung, die letztes Jahr für das Buch gemacht wurde, wurde ich darauf aufmerksam. Aus meiner Bücherei habe ich das Buch dann letztens ausleihen können.

Der erste Satz: „Gabriel Tretjak saß in einem englischen Clubsessel und beobachtete den Kellner, der ihm einen Gin Tonic brachte.“

Das Äußere:  Die broschierte Ausgabe zeigt auf dem Titelblatt schemenhaft einen Mann mit langem Mantel. Der Titel ist perspektivisch dargestellt, so dass der Mann auf den Leser zuzukommen scheint. Der Mann wirkt irgendwie anonym – und das will der Regler auch sein.

Das Innere: Gabriel Tretjak ist ein Mann, der für Geld (fast) alle Probleme löst. Er sorgt dafür, dass Aufsichtsräte ausgetauscht, Seitensprünge vertuscht oder Brücken abgebrochen und neue Leben begonnen werden. Es scheint ihm alles zu gelingen, und er ist bei den Reichen ein echter Geheimtipp, denn er ist zusätzlich noch äußerst diskret. Aber eines Tages geschieht etwas, bei dem selbst der Regler mit seinem Latein am Ende ist. Während er mit einem Klienten zu Tisch sitzt, erreicht ihn die kryptische telefonische Nachricht, dass im vierten Rennen ein Pferd namens Nu Pagadi siegen würde. Tretjak weiß so lange nichts mit der Nachricht anzufangen, bis die Leiche eines Hirnforschers zusammen mit dem Handy, von dem aus er angerufen wurde, in einem Pferdetransporter gefunden wird – denn nun steht die Polizei vor seiner Tür.

Das Wesentliche: Gabriel Tretjak hat einen ungewöhnlichen Job, denn er bringt mit seiner Tätigkeit die Welt von anderen ins Wanken. Er gräbt so lange im Dunklen, bis er etwas über eine Person heraus bekommt, das er gegen diese verwenden kann. Auf diesem Weg erreicht er immer sein Ziel. Doch auf einmal wendet sich das Blatt gegen ihn, denn man scheint ihm einen Mord in die Schuhe schieben zu wollen. Parallel dazu scheint er auf einmal derjenige zu sein, dem nachspioniert wird. Es passieren auch für den Leser dabei ganz überraschende Dinge: z. B. taucht Tretjaks Putzfrau auf einmal nicht mehr auf, denn sie bekommt ein Flugticket in die argentinische Heimat – angeblich von ihm selbst.

Schnell wird klar, dass es irgendetwas in Tretjaks Vergangenheit sein muss, was dazu geführt hat, dass er selbst auf einmal auf der Abschussliste steht. Und in dieser Vergangenheit gibt es für den Leser einiges zu erfahren. Tretjak hat selbst alle Brücken in seine Vergangenheit abgebrochen. Bei Erläuterung der Hintergründe keimt manchmal ein Anflug von Verständnis Tretjak gegenüber auf – wird aber schnell durch Tretjaks Nüchternheit wieder zunichte gemacht. Dennoch habe ich mich gefreut, als die Finanzbeamtin Fiona Neustadt in sein Leben tritt – zaghaft taut er bei ihr auf und wird dadurch fast sympathisch.

Der Regler steht also aufgrund seines Jobs stets über den Dingen, gleichzeitig wirkt er irgendwie bescheiden. Dieser Zwiespalt – zusammen mit dem Gefühl, dass der Hauptprotagonist vor mir als Leser Geheimnisse hat – machte es mir nicht ganz leicht, mit Tretjak und dem Buch warm zu werden. Von Anfang an muss der Leser die Augen offen halten, denn es werden ständig neue Weichen gestellt. Einmal falsch abgebogen, und die Handlung fließt auf einmal weiter, ohne dass der Leser ihr folgen kann. So ging es zumindest mir. Es gab eigentlich keine Minute Pause. Fast wie in einem James Bond Film – da habe ich zwischendurch auch immer mal gefühlte Black-outs, und mir ist einfach nicht mehr klar wieso und warum James Bond auf die und die Tatsache gestoßen ist, die ihn an den und den Ort geführt hat. 

Das Fazit:  Das Buch war spannend, jedoch für meinen Geschmack etwas zu verwirrend. Ich hatte das Gefühl, ich hätte das Buch direkt noch einmal lesen müssen, um komplett zu durchblicken, welche Wendungen die Geschichte an welchen Stellen genommen hat. Gleichzeitig wurde ich mit mir selbst bis zum Schluss nicht einig, ob ich Gabriel Tretjak mag oder nicht. Wer einen Thriller lesen und ihm durchgängig die uneingeschränkte Aufmerksamkeit widmen möchte, dem gefällt dieses Buch jedoch ganz sicher.

Die Bewertung: 

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