Sonntag, 12. Februar 2012

Rezension "Himmelsdiebe" von Peter Prange



Peter Prange
Himmelsdiebe
Taschenbuch
503 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
Piper Verlag
ISBN 978-3-492-27342-8
9,99 €




Der Weg zu mir: Auch dieses Buch ist aufgrund einer Leserunde bei LovelyBooks zu mir gelangt. Also auch hier ein herzlicher Dank an LovelyBooks und den Piper Verlag – aber vor allem auch an Peter Prange für die Begleitung der Leserunde.

Der erste Satz: „Laura liefen die Augen über.“

Das Äußere:  Das Taschenbuch ist mit seinen knapp über 500 Seiten gerade noch gut zu handeln. Der Buchrücken ist stabil und nach einmaligem Lesen noch nicht „rundgelesen“ – das finde ich immer sehr wichtig. Das Cover zeigt ein schemenhaftes Pärchen vor Pariser Kulisse. Man sieht den Eifelturm im Hintergrund. Aufgrund des Covers könnte man an eine einfache Liebesgeschichte denken, aber so einfach macht das Buch es einem nicht.

Das Innere: In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts trifft Laura Paddington auf den wesentlich älteren Maler Harry Winter. Immer schon hat sie den Künstler geliebt. Als sie sich kennenlernen, ist klar, dass sie zusammenbleiben – aber es soll einige Zeit dauern, bis sie auch wirklich Liebende werden. Zunächst gelangen sie in den Wirren der 30er Jahre gemeinsam nach Paris und geben sich einige Zeit dem Leben im mondänen, künstlerischen Paris hin. Doch der Krieg rückt immer näher, und so flüchten beide zunächst nach Saite-Odile-d’Ardèche, einem kleinen Ort in der Provence. Hier sind sie so kreativ wie nie zuvor und erschaffen gemeinsam ein großartigen Wandgemäldes, die „Himmelsbeute“. Leider bleibt ihr Glück nicht von Dauer, denn zum einen ist Laura scheinbar schwer krank, zum anderen wird Harry als Deutscher kurz nach Kriegsausbruch von den Franzosen interniert. Laura vermisst Harry sehr, doch ob sie trotz des Krieges wieder zueinander gelangen können?

Das Wesentliche: Wie oben schon erwähnt, eine leichte Liebesgeschichte, wie sie das Cover vielleicht versprechen mag, versteckt sich in diesem Buch definitiv nicht. Vielmehr ist es schwierig, sich auf das Paar einzulassen. Das Pariser Künstlermetier erstaunt mehr als dass es beeindruckt. Hinzu kommt Harrys Unwillen, sich zu Beginn auf Laura einzulassen, obwohl er offensichtlich auch von ihr bezaubert ist. Da verwundert es fast nicht, dass Laura sich zunächst einem anderen aus der Riege der Künstler zuwendet.

Besonders schön beschrieben ist dann – nach meinem Geschmack – erst die Idylle im sog. „Zauberhaus“ in der Provence. Hier können beide ihre Liebe leben und müssen sich nach nichts sonst richten. Lauras Krankheit wird zwar auch hier thematisiert, aber der Leser erfährt immer noch nichts Genaueres. Erst an dieser Stelle im Buch habe ich mich ganz darauf einlassen können und habe die beiden so sein lassen können, wie sie sind. Hier habe ich die große Liebe der beiden nahezu mitempfinden können.

Der Kriegseinbruch bringt die Idylle mächtig ins Wanken. Laura muss mit Harrys Abwesenheit zurechtkommen, zerbricht aber fast daran. Ihre Halluzinationen gehen irgendwann so weit, dass sie nicht mehr alleine bleiben kann. Dies löst im Leser widersprüchliche Gefühle aus. Man möchte Laura fast bei den Schultern packen und schütteln, damit sie wieder zu sich kommt. Denn Harry erscheint parallel dazu im Lager eher reifer zu werden und Verantwortung zu übernehmen.

Es gibt einige Charaktere im Buch, die ebenfalls beeindrucken: hier ist zum einen Lauras beste Freundin Geraldine zu nennen, die sich um Laura in ihrer geistigen Umnachtung kümmert, obwohl sie sich lange Zeit nicht mehr gesehen haben. Auch Harrys Sohn aus erster Ehe, Bobby, entwickelt sich vom um die Eltern besorgen Sohn zu einem Mann, der fest im Leben steht. Er reist voraus nach Amerika und versucht seine Eltern zu überzeugen, das europäische Kriegsgebiet so schnell wie möglich zu verlassen. Auch erwähnen sollte man Debbie, die amerikanische Kunstsammlerin, die sich ebenfalls zu Harry hingezogen fühlt und dabei sich selbst fast aufgibt.

Überhaupt ist Harry als Mann scheinbar unglaublich attraktiv – viele Frauen sind von ihm beeindruckt, obwohl er nicht immer freundlich mit ihnen umspringt. Harry, Laura und Debbie haben übrigens jeweils ein Vorbild im wirklichen Leben; mehr möchte ich jedoch nicht verraten. Dennoch hat mich das Buch am Ende so beindruckt, dass ich mir vorstellen kann, die eine oder andere Biographie zu lesen – was definitiv lange kein Buch mehr in mir ausgelöst hat. Man hat mich bei der Mayerschen Buchhandlung auf jeden Fall schon auf der Couch sitzen sehen können, schmökernd in Bildbänden…

Wer mehr wissen will: Peter Prange hat auf seiner Homepage etwas mehr dazu beschrieben. Auch von seiner Reise auf den Spuren der Vorbilder seiner Protagonisten.

Das Fazit:  Das Buch hat mich beeindruckt. Ich musste aber eine ganze Menge anfängliches Unverständnis für die Protagonisten und ihre Handlungsweisen beiseitelassen, um zu diesem Urteil zu gelangen. Wer sich auf das Buch einlassen kann und will, wird mit einem Leseerlebnis belohnt, das lange nachwirkt. Vier von fünf Leselöwen daher von mir – nur einer wird abgezogen, weil der Beginn für mich etwas sperrig war.

Die Lieblingspassage: „Worauf es ankommt“, wandte er sich wieder an Laura, „ist, dass wir keine Angst vor dem haben, was unsere Seele uns sagt. Nur wenn wir den Mut haben, aus unserer eigenen, inneren Bilderwelt zu schöpfen, erkennen wir die Kunst, die in allen Dingen verborgen ist. Dann bedarf es meist nur noch einer kleinen Zauberei, um sie Wirklichkeit werden zu lassen.“ (Seite 139)

Die Bewertung: 

Kommentare:

  1. Ich glaube es ist die erste Rezension die ich von dir lese, und finde die Punkte in die du sie gliederst sehr gut.

    LG Anni

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  2. deine Rezension ist wirklich schön geschrieben :)

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  3. Bin grad durch Zufall auf deinem Blog gelandet und finde ihn echt schön. Vor allem diese Rezension gefällt mir sehr gut und ich habe jetzt richtig Lust bekommen das Buch zu lesen. Werd es mir auf die Wunschliste setzen!

    Werd mich auch als Leser eintragen und dich weiter verfolgen!

    Liebe Grüße
    Petra
    http://dieliebezudenbuechern.blogspot.com

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