Mittwoch, 1. Februar 2012

Rezension "Sommerhaus mit Swimmingpool" von Herman Koch



Herman Koch
Sommerhaus mit Swimmingpool
Gebundenes Buch
345 Seiten
Erscheinungsjahr: 2011
Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-04344-0
19,99 €



Der Weg zu mir: Das Buch ist mir aufgrund einer Leserunde bei LovelyBooks sozusagen zugeflogen. Herzlichen Dank dafür an LovelyBooks und den Kiepenheuer & Witsch Verlag.

Der erste Satz: „Ich bin Hausarzt.“

Das Äußere:  Das Buch hat ein recht handliches Hardcover-Format. Das Titelbild zeigt eine behandschuhte Hand mit einem Skalpell – hier ist schon der kleine Hinweis auf die Tätigkeit des Hauptprotagonisten zu sehen, die man ja schon am ersten Satz erkennt. Aufgrund des Covers hätte ich mir das Buch nicht unbedingt ausgesucht, aber ich muss sagen, dass es im Nachhinein sehr gut passt.

Das Innere: Marc Schlosser ist Hausarzt. Ein Hausarzt der Sorte, die man nicht aufsuchen sollte, denn er hat eine solche Distanz zu seinen Patienten, dass seine Meinung ihm eigentlich im Gesicht geschrieben stehen müsste. Dennoch ist er recht erfolgreich in seinem Beruf und lernt auf diesem Weg auch den Schauspieler Ralf Meier kennen, der ihn mit Frau und zwei Töchtern in sein Sommerhaus nach Frankreich einlädt. Während dieses Urlaubs amüsieren sich die beiden Kinder ganz hervorragend, bis auf einmal etwas passiert, das alles andere in den Schatten stellt. In der Retrospektive – Ralf ist mittlerweile verstorben – werden die Ereignisse dieses einen Sommers nach und nach aufgerollt. Einer hat damals ein falsches Spiel gespielt – doch wer war es?

Das Wesentliche:  Der Einstieg in das Buch ist nicht leicht. Marc schildert seinen Praxisalltag auf so scheußliche Art und Weise, dass der Leser ihn direkt zu Beginn des Buches schon verabscheut. Marc steht einfach über seinen Patienten und betrachtet sie auf eine Art und Weise, wie man es sich selbst von seinem Hausarzt nicht vorstellen möchte. Über diese Betrachtungen kommt die Handlung zu Beginn des Buches zu Beginn leider etwas zu kurz. 

Nachdem Marc Ralf in seiner Praxis kennengelernt hat, treffen die beiden das erste Mal mit ihren Frauen im Theater aufeinander. Hier stellt sich recht schnell heraus, dass Marc nicht nur ein fieser Hausarzt, sondern auch ein Schwerenöter ist, denn Ralfs Frau Judith hat es ihm direkt angetan. Die Paare lernen sich etwas näher kennen, und so kommt die Einladung ins Sommerhaus zustande. Marc nimmt diese Einladung mit dem offensichtlichen Hintergedanken an, dass er die Gelegenheit ergreifen könnte, mit Judith eine Affäre zu beginnen. Dieser Hintergedanke überwiegt auch noch, als Caroline zu bedenken gibt, dass die jungen Mädchen im Sommerhaus nicht so sicher aufgehoben sein könnten wie es eigentlich der Fall sein müsste. Ein unverständliches Verhalten für einen Vater. Und noch mehr für Caroline, die sich meiner Meinung nach schleunigst ihre Mädchen packen und aus dem Staub machen sollte. So farblos bleibt Caroline jedoch leider im ganzen Buch, man kann sie nicht so recht einordnen, da sie nur wenig Aktivität entwickelt.

Es gibt neben Marc und Ralf noch mehr Männer im Haus: da ist zum einen Stanley, ein amerikanischer Regisseur, der mit seiner jugendlichen Freundin ebenfalls den Sommer in Frankreich verbringt. Ein etwas zwielichtiger Mensch, der zu Überprungshandlungen neigt. Und es gibt noch Ralfs Kinder, zwei Jungen fast im gleichen Alter wie Marcs Mädchen. Die Kinder werden im Laufe des Sommers zu guten Freunden.
Die Charaktere haben alle ihre Eigenheiten. Neben Marc verblassen jedoch alle. So ist es nicht ganz einfach neben einer Haltung Marc gegenüber für die übrigen Darsteller eine Position zu entwickeln.

Die Handlung entwickelt sich nach einigen Anläufen dann doch recht flüssig, und es geschehen ein paar überraschende Wendungen, mit denen man als Leser nicht gerechnet hätte. Hierzu gehört nicht zuletzt Ralfs Tod, über den man bereits im Klappentext lesen kann. Das Buch zieht einen irgendwann tatsächlich in seinen Bann. 

Das Fazit:  Natürlich weiß ich, dass Marc nur ein Protagonist in diesem Buch ist – aber dennoch kann ich mich von meiner Meinung über ihn nicht so frei machen, dass ich das Buch nur anhand des Inhalts und nicht aufgrund meiner Sympathie für den Hauptcharakter bewerte. Aufgrund meiner eigenen Unzulänglichkeit gebe ich daher nur drei von fünf möglichen Leselöwen. 

Die Lieblingspassage:   „Würdest du mit ihr?“, dachte ich und schaute ihr in die Augen. „Ja“, lautete die Antwort. Und Judith erwiderte meinen Blick. Es ist eine Frage von Sekunden. Wie lange man einander in die Augen schaut. Und so hatten wir uns angesehen. Etwas länger, als gemeinhin als anständig gilt. Und während ich ihren Namen vergaß, lachte sie mich an. Es war nicht so sehr ihr Mund, der lachte, als vielmehr ihre Augen. „Ja“, sagten diese Augen. „Ich mit dir auch.“

Die Bewertung:


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen