Mittwoch, 11. April 2012

Rezension "Bitteres Blut" von Willi Voss


Langwierige Ermittlung



Willi Voss
Bitteres Blut
Taschenbuch
317 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
Ullstein Verlag
ISBN 978-3-86680-958-1
12,00 €



Der Weg zu mir: Nachdem ich vor kurzem meinen ersten Krimi aus dem Sutton Verlag gelesen hatte und damit total happy war, habe ich mir den Verlag gemerkt. Als dann bei LovelyBooks eine neue Leserunde zu einem Sutton-Krimi angeboten wurde, habe ich mir nur allzu gerne wieder beworben. Danke an LovelyBooks und an den Sutton Verlag für das Leseexemplar - und natürlich an Willi Voss für die Begleitung der Runde.

Der erste Satz: „<Ich versteh das nicht>, murmelte Hollenberg fassungslos.“

Das Äußere:  Das Cover ist typisch Krimi-schwarz. Darauf zu sehen ist ein Seil, dessen Ende mit Blut getränkt ist, das auch noch nach unten tropft. Man rechnet aufgrund des Covers eigentlich mit mehr reißerischem Inhalt, hat jedoch einen handfesten Regionalkrimi vor sich.

Das Innere: Eine Leiche verschwindet, die kurz zuvor noch von Bauer Hollenberg hängend in einer Scheune gesehen wurde. Es soll sich um Thorsten Böse gehandelt haben, den Adoptivsohn von Wolfhardt Böse, dem verbitterten und ungemütlichen Alten, der niemandem über den Weg traut. Kriminalobermeister Lorinser muss sich auf die Suche nach der verschwundenen Leiche machen und sich dabei den Hänseleien seiner Kollegen aussetzen. Die Dorfbewohner sind wie zu erwarten auch nicht wirklich kooperativ, so dass Lorinsers Ermittlungen eine ganz schön knifflige Angelegenheit werden. Ist Thorsten Böse tatsächlich ermordet worden oder ist alles nur ein schlechter Scherz?

Das Wesentliche: Klar, der Roman startet mit etwas weniger Drive weil zu Beginn die Leiche fehlt. Ich fand es jedoch ganz angenehm, dass dadurch zuerst der Ermittler, Kriminalobermeister Lorinser, näher vorgestellt wird. Auch seine Kollegen lernt man in einer eher unaufgeregten Situation kennen. Eine gute Idee!

Dennoch war es etwas langwierig für Lorinser, gegen Windmühlen anzurecherchieren und mit Hinz und Kunz erfolglos zu reden. Meine Hoffnung war, dass sich das Tempo steigern würde, sobald die verschwundene Leiche ausfindig gemacht werden konnte. Zwar wird eine Leiche gefunden (sonst wäre der Krimi ja auch sinnlos) – eine Beschleunigung der Handlung hatte das leider nicht zur Folge.

Dabei ist Lorinser ein ganz sympathischer Beamter: Frisch auf seiner Diepholzer Dienststelle, ist er eifrig bei der Sache und lässt sich von seinem Spürsinn nicht abbringen. Auch als ihm Kriminalhauptkommissarin Hildebrandt fast seinen Fall abnimmt, geht er unbeirrt seiner Wege. Unterstützung findet er in dem ihm zugeteilten Partner Steinbrecher, der das Ganze aufgrund seines Alters und seiner längeren Erfahrung etwas gelassener sieht, aber verlässlich mit anpackt, wenn es darauf ankommt.

Willi Voss ist es gut gelungen, die Atmosphäre von Beklemmung, Misstrauen und Geheimnissen im Dorf glaubhaft darzustellen. Die Bewohner sind allesamt auf ihre Art sowohl skurril als auch schwierig im Umgang – hierbei kommt so richtig der Regionalkrimi zum Vorschein. Und auch Thorsten Böse, dessen Spuren Lorinser verfolgt, hat wohl ein paar Geheimnisse und entsprechend Dreck am Stecken.

Als Nebenhandlung finden sich aber auch ein paar Geschehnisse im Buch, die von Willi Voss leider erzähltechnisch nicht zu Ende geführt werden. So taucht beispielsweise Lorinsers Schwester Katta bei ihm auf, misshandelt und am Ende ihrer Kräfte – aber ebenso unvermittelt verschwindet Katta auch wieder. Ein paar Fäden bleiben also offen, was ich recht schade fand. Mit nur ein paar Seiten mehr für gehaltvollere Nebenhandlungen hätte man sich als Leser vielleicht vom Autor etwas weniger im Stich gelassen gefühlt.

Ansonsten war mir der Schreibstil sehr angenehm. Nicht eingängig, sondern herausfordernd. Ich mochte die etwas hochgestochene Sprechweise mancher Protagonisten und auch die verschachtelten Sätze. Wie man auf seiner Homepage sehen kann, ist Voss sowohl im Bereich Krimis als auch in Sachen Politthriller unterwegs - da hätte ich schon Interesse auch mal in einen anderen Roman hineinzulesen.

Das Fazit:  So komplett und richtig warm geworden bin ich leider mit dem Krimi nicht. Nachdem es schon zu Beginn des Romans keine Leiche gibt, empfand ich die Begleitung der umfangreichen Ermittlungen von Kriminalobermeister Lorinser mehr als langwierig und manchmal sogar fast langweilig. Wer einem Beamten gerne auf verschlungenen Wegen im Rahmen seiner Ermittlungen folgt, ist hier aber auf jeden Fall gut aufgehoben.

Die Bewertung: Drei von fünf Leselöwen

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