Mittwoch, 4. April 2012

Rezension "Verkehrt!" von Thorsten Nesch


Überraschender Körpertausch


Thorsten Nesch
Verkehrt!

Taschenbuch
222 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
Empfohlenes Lesealter: 12 – 15 Jahre
Rowohlt Verlag
7,99 €


 

Der Weg zu mir: „Verkehrt!“ ist ein Testleseexemplar, das ich im Rahmen einer Leserunde bei LovelyBooks gewonnen habe. Das Buch hat mir viel Spaß gemacht – vielen Dank an LovelyBooks und den Rowohlt Verlag – und natürlich an Thorsten Nesch für die nette Begleitung der Runde.

Der erste Satz: „Vor einem Schminkspiegel mit einem Rahmen aus vierundzwanzig strahlenden Energiesparlampen fühlt man sich sogar frühmorgens vor der Schule wie ein Superstar.“

Das Äußere:  Das Cover zeigt die Ampelmännchen für „Stop“ und „Go“ in grün und rot, wie es sich für Ampelmännchen gehört. Die jeweiligen Abschnitte im Buch sind dann jeweils mit dem Bild eines der zwei Figuren versehen, um den Wechsel der Perspektive auch äußerlich anzudeuten. Wenn man das erst mal verstanden hat (urks!) ist es eigentlich ganz einfach…

Das Innere: Frank ist ein ziemlich hässlicher, dicklicher Junge mit einer Schniefnase, der auch noch aus ziemlich üblen Verhältnissen kommt. Elizabeth ist das komplette Gegenteil: mit einer Karrierefrau als Mama und einem Papa in Singapur ist genug Geld im Haus, dass sie das Leben eines Luxus-Teenies leben kann. Reitstunden, Klamotten, ihre Freundinnen, das spielt in ihrem Leben eine Rolle. In einer Physikstunde bleibt Elizabeth nichts anderes übrig, als sich mit Frank an einen Tisch zu setzen und zusammenzuarbeiten. Ein Experiment schlägt jedoch fehlt, und auf einmal finden sich beide jeweils im Körper des anderen wieder. Der Leser darf gespannt die Schritte der beiden im Körper des anderen verfolgen. Ob sie eine Gelegenheit bekommen werden, in ihre eigenen Körper zurück zu kehren, ist aber mehr als fraglich…

Das Wesentliche:  Das ist mal ein Buch, das durchgängig gut unterhält. Vorausgesetzt, man hat erst einmal verstanden, dass die mit grünen Ampelmännchen gekennzeichneten Textpassagen aus der Sicht von Frank, also des männlichen Protagonisten im weiblichen Körper und die mit den roten Ampelmännchen aus Sicht von Elizabeth geschrieben sind, die gerade im männlichen Körper gefangen ist.
Etwas umgewöhnen muss man sich bei der Kennzeichnung der direkten Rede. Hier gibt es nämlich keine Anführungszeichen, sondern einen Bindestrich zu Beginn eines Satzes. Wer was sagt, muss man sich dann denken. Nach ein paar Seiten hatte ich mich aber schon an die etwas eigenwillige Art, die direkte Rede zu kennzeichnen, gewöhnt. 

Sicher gab es schön öfter genau diese Geschichte: ein unfreiwilliger Körpertausch zwischen einem männlichen und einem weiblichen Protagonisten. Thorsten Nesch erzählt die Story jedoch wohltuend neu. Ich habe überhaupt nicht das Gefühl gehabt, dass hier irgendetwas aufgekocht wird. 

Bevor die Story losgeht, erfährt man ein paar Hintergründe aus beider Leben. Frank und Elizabeth könnten wirklich unterschiedlicher nicht sein. Da man als Leser ja weiß, was den beiden bevorsteht, macht man sich deswegen schon im Vorfeld Sorgen, ob die beiden den Körpertausch auch unbeschadet überstehen werden. Wie zu erwarten, passiert den beiden nach dem Tausch ein seltsamer Zwischenfall nach dem anderen. Während Elizabeth als Frank z. B. dessen Box-Training besuchen muss und nach dem ersten Treffer schon aufgibt (wie peinlich!), muss sich Frank mit Elizabeths Reitstunde herumplagen.

Beide Kinder haben natürlich so ihre Schwierigkeiten, den völlig anderen Charakter, der für die Außenstehenden ja nicht sichtbar ist, im bestehenden Körper unterzubringen, ohne dass es auffällt. Glücklicherweise lässt sich ja einiges auf die Pubertät schieben. Und so kommt es, dass weder Elizabeths Mutter noch Franks Vater so richtig dahinterkommen, dass ihre Kinder nicht ihre Kinder sind.

Thorsten Nesch beschreibt richtig toll, wie unterschiedlich der Körpertausch auf die beiden wirkt. Während Elizabeth alles nur grauenvoll findet – was bei der Umgebung, in der Frank lebt, auch wirklich kein Wunder ist – ist Frank richtig fasziniert von seinem neuen Körper und nutzt natürlich jede Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren oder sogar Elizabeths Freundinnen nahe zu kommen. Hier gibt es ein paar Szenen, die richtig komödiantisch sind. 

Die Situation wird für Elizabeth richtig knifflig, als Frank Gefallen an ihrem Luxusleben bekommt. Ich habe mir während des Lesens ständig Sorgen gemacht, dass Frank irgendetwas mit Elizabeths Körper anstellt – z. B. ein Tattoo stechen oder die langen Haare abschneiden lässt oder ähnliches. Ob es wirklich dazu kommt, müsst ihr aber selbst nachlesen.

Das Fazit:  Hier haben wir mal einen tollen Roman für Jugendliche, der einfach nur Spaß macht. Ich habe mehrmals laut auflachen müssen, denn was den beiden Protagonisten im Körper des anderen passiert, ist manchmal zu komisch. Wer ein solches Buch sucht, ist bei „Verkehrt!“ genau richtig aufgehoben. Das Buch ist empfohlen für ein Alter zwischen 12 und 15. Ich würde die Empfehlung für die obere Altersgrenze auf jeden Fall auf 17 anheben, denn garantiert macht das Buch auch dann noch Spaß. Auch für Erwachsene ist es zu empfehlen.

Die Bewertung: 

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