Mittwoch, 9. Mai 2012

Rezension "Das Liebesspiel" von Dawn Tripp


Gemächliche Lektüre


 

Dawn Tripp
Das Liebesspiel
(Game of Secrets)
Arche Literatur Verlag
316 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-7160-2663-2
19,95  

 


Der Weg zu mir: Hier hatte ich bei Vorablesen das Glück, ausgelost worden zu sein. Es war der einzige zeitgenössische Roman zwischen Krimis und Thrillern in der Woche, und zu der Zeit brauchte ich gerade eine Abwechslung vom üblichen Genre. Vielen Dank also an den Arche Literatur Verlag und Vorablesen!

Der erste Satz: „Erzähl, sagt sie.“

Das Äußere: Man sieht aus dem Fenster auf eine Dünenlandschaft und das Meer. Ein wunderschönes Cover für das gebundene Buch, das für mich Gelassenheit und Ruhe versinnbildlicht. Leider hat sich genau das ein bisschen zu sehr im Roman durchgesetzt – aber dazu gleich mehr.

Das Innere: Marne kehrt nach Jahren zurück nach Hause zu ihren Eltern. Anlass war ein Anruf ihres Bruders Alex. Dort angekommen, versucht sie ihren Platz in der alten, bekannten Umgebung zu finden, und verliebt sich dabei in Ray, den besten Freund ihres Bruders. Doch die Familie der beiden verbindet noch mehr, denn Marnes Großvater Luce hatte früher eine Affäre mit Rays Mutter. Eines Tages war Luce verschwunden – erst Jahre später wurde sein Schädel aufgefunden. Welches Geheimnis sein Tod umgibt und wie die familiären Bande auch heute noch fortwirken, schildert Dawn Tripp in diesem Roman.

Das Wesentliche: Ich falle direkt mal mit der Tür ins Haus, indem ich sage, dass mir der Roman leider nicht so recht gefallen hat. Der Grund dafür ist, dass ich die ganze Zeit über nicht so recht mit den Charakteren warm geworden bin.

Da ist zum einen Marne, die aus Gründen in ihre alte Heimat zurückkehrt, die sich mir beim Lesen leider nicht erschlossen haben. Ich will nicht ausschließen, dass ich den Grund von Alex‘ Anruf bei Marnes einfach überlesen habe. Sie lebt nun wieder bei ihren Eltern – doch man lernt zu Beginn nur ihre Mutter Jane kennen. Marnes Vater wird zwar am Rande erwähnt, spricht sein erstes Wort jedoch erst etwa zur Hälfte des Buches. Möglicherweise auch hier ein stilistisches Mittel, dessen Sinn ich nicht verstanden habe: vielleicht soll es bedeuten, dass die Frauen die dominierenden Personen in beiden Familien sind. Marne verliebt sich in Ray, und dieses Gefühl beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Dennoch machen sich beide vorrangig irgendwie gegenseitig das Leben schwer. Ihre Mütter haben jedenfalls auch an der Situation zu knabbern, da beide Familien ja schon einmal auf verhängnisvolle Art und Weise miteinander verbunden waren.

Marnes Mutter Jane ist sehr gut bekannt mit Ada, der Frau, die in jüngeren Jahren eine Affäre mit Janes Vater Luce hatte. Sie trifft sich mit ihr regelmäßig zum Scrabble-Spielen. Dieses Spiel erscheint mehr wie ein Schachspiel: jeder Zug will überlegt sein, alle Möglichkeiten müssen ausgelotet werden, dabei sind bestimmte Grenzen zwischen den beiden jedoch nicht zu überschreiten. Jane versucht dabei auf ihre Art herausbekommen, was mit ihrem Vater geschehen ist. Es gab Gerüchte im Ort, dass Adas Mann dahinter stecken könnte – doch Ada scheint davon nichts zu wissen.

Die Rückblenden in die Vergangenheit fand ich im Gegensatz zu den Textpassagen, die in der Gegenwart spielen, wesentlich spannender. Hier war einfach mehr Inhalt, mehr Handlung, und hier hat mir Dawn Tripp dann auch erzähltechnisch gut gefallen. So erfährt man in diesen Rückblenden einiges über Janes Jugend, und auch mehr über die Kindheit und Jugend von Huck, einem weiteren der vier Söhne Adas, der Marne in der Gegenwart auch immer mal wieder über den Weg läuft.

Tripp verwendet eine bildhafte Sprache, arbeitet mit kurzen Sätzen und Aufzählungen. Ein Beispiel:
„Der Wald nun: blau. Diesseits des Abends. Die lang gewordenen Schatten der Bäume winden sich durch den Garten. In der Küche klingelt die Eieruhr.“ [Seite 245]
Einige dieser malerischen Sätze habe ich mir markiert, denn für solche Beschreibungen bin ich durchaus zu haben. Leider hat der lesetechnische Genuss von Dawn Tripps Schreibstil für mich jedoch nicht die recht zähflüssige Handlung aufgewogen.

Am Ende werden aber tatsächlich einige interessante Geheimnisse aufgedeckt. Das langsame Hinführen zu diesen Erkenntnissen war für mich aber einfach nicht spannend genug.

Das Fazit: In diesem Buch ist die Geschichte für mein Empfinden ohne wahre Höhen und Tiefen dahingeplätschert. Daher konnte mich der Roman leider gar nicht fesseln. Freunde von Familiengeheimnissen, die sich erst nach und nach in verschiedenen Rückblenden dem Leser offenbaren, finden aber vielleicht Gefallen daran.

Die Bewertung: 



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