Mittwoch, 16. Mai 2012

Rezension "Die Eifelgräfin" von Petra Schier



Wie ein „Schlossroman“


 

Petra Schier
Die Eifelgräfin
Rowohlt Verlag
569 Seiten
Erscheinungsjahr: 2009
ISBN 978-3-499-24956-3
9,95  

 


Der Weg zu mir: Dieses Buch habe ich schleunigst aus der Bücherei ausgeliehen, als ich erfuhr, dass es bei LovelyBooks eine Leserunde für den Nachfolgeroman „Die Gewürzhändlerin“ geben würde. Das erschien mir doch als eine gute Gelegenheit, in eine neue historische Reihe einzusteigen – und ich wurde nicht enttäuscht.

Der erste Satz: „Die Sonne brannte erbarmungslos auf das bunt zusammengewürfelte Zeltlager herab.“

Das Äußere:  Das Cover zeigt ein Gemälde mit einen Mann und einem Pferd im Vordergrund. Eine Burg ist in der Ferne zu sehen, und zusätzlich das Portrait einer Frau.  Passend zu einem historischen Roman – ich mag es aber nicht so gerne. Da ich aber bei Petra Schier immer auf guten Inhalt vertrauen darf, macht mir das Äußere nicht so viel aus. Gut hingegen: Im hinteren Teil des Buches ist die Burganlage der Burg Kempenich, dem Hauptschauplatz des Romans, zu sehen. Außerdem eine Beschreibung der Räumlichkeiten im sog. Palas, dem Hauptgebäude. Hier habe ich gerne hingeblättert, um zu schauen, wo auf der Burg sich die Protagonisten gerade befinden.

Das Innere: Die junge Elisabeth von Küneburg muss aus der Schusslinie gebracht werden, als eine Fehde ihres Onkels droht. Sie verbringt einige Monate auf Burg Kempenich in der Obhut der befreundeten Adeligen Simon und Hedwig, wo sie auf die Rückkehr ihres Verlobten warten soll. Ihre Zeit verbringt sie gerne mit Luzia, einer jungen Frau aus dem Dorf, die zu ihrer Leibmagd und Freundin wird. Als Elisabeth auf Johann von Manten trifft, einen ruppigen Adeligen mit denkbar schlechten Manieren, hat sie zusätzlich einen Gesprächspartner für eifrige Wortgefechte. Hier steckt natürlich nicht nur Abneigung dahinter, wie sich im Laufe des Romans zeigt. Jedoch zieht das Schicksal in Form der Pest auch in Burg Kempenich ein, und Elisabeth muss sich fragen, ob die Pflicht oder ihr Herz entscheiden soll. 

Das Wesentliche:  Hat man erst einmal mit dem Buch angefangen, gibt es kein Halten mehr: ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Die Verhaltensweisen zwischen Männern und Frauen zu dieser Zeit entlocken mir doch immer wieder ein Lächeln – unglaublich, wie umständlich der Umgang miteinander zur Zeit des 14. Jahrhunderts war. Petra Schier erzählt aus dem Alltag auf der Burg auf so hinreißende Art und Weise, dass man förmlich darin versinkt. Die Charaktere sind facettenreich beschrieben, jeder Protagonist hat seine Eigenart, die ihn unverwechselbar macht.

Elisabeth ist eine starke Persönlichkeit, sehr selbstbewusst und auch mal rechthaberisch. Das fordert den mürrischen Johann von Manten mehr als einmal heraus, und die Annäherung zwischen beiden geschieht deswegen nur sehr zögerlich. Beide haben ihre Gründe. Während Elisabeth bereits einem anderen versprochen ist, war Johann von Manten schon einmal glücklich verheiratet. Als er seine Frau verlor, hat er sich geschworen, nie wieder zu lieben – dass daraus eine der großartigsten Liebesgeschichten wächst, die ich bisher in einem historischen Roman gelesen habe, ist ja kein Wunder!

Ein sehr sympathischer Charakter ist auch Luzia, die junge Leibmagd, die sich im Laufe des Buches von der einfachen Bauerstochter zur Gesellschafterin und sogar Freundin Elisabeths entwickelt. Elisabeth fördert sie, wo es nur geht, was Luzias Position bei den anderen Bediensteten des Hauses nicht immer vereinfacht. Es ist schön zu sehen, wie sich Luzia vom schüchternen Mädchen zu einer lebenstüchtigen jungen Frau wird, die mich mehr als einmal erstaunt hat: Sie steht in jeder Hinsicht zu Elisabeth, zögert aber auch nicht, für andere einzutreten und auch mal die Prioritäten zu verschieben, wenn es erforderlich ist.

Natürlich basiert die Handlung nicht nur auf einer oberflächlichen Liebesgeschichte, nein, darüber hinaus gibt es für Elisabeth und ihre junge Leibmagd ein Rätsel zu lösen, das ihre beiden Familien seit zweihundert Jahren verbindet. Beide Frauen besitzen je ein Teil eines Amuletts, das – einmal zusammengesetzt – die Eigenschaft besitzt, vor Unheil zu warnen. Während die beiden mit Hilfe des Benediktinermönchs Bruder Georg versuchen, die Geschichte des Amuletts zu erforschen, werden sie schnell von den Geschehnissen überrollt, vor denen das Amulett sie zu warnen versucht: dem Einzug der Pest nach Deutschland und dem Eklat der Familienfehde in Elisabeths Heimat.

Das Geheimnis des Amuletts wird übrigens in diesem Roman noch nicht gelöst – hier bleibt nur, in Teil 2 der Reihe, „Die Gewürzhändlerin“ hineinzulesen.

Das Fazit: Ein wunderbarer historischer Roman mit einer tollen Liebesgeschichte, angesiedelt in der Eifel des 14. Jahrhunderts. Detailreich beschrieben, fesselt das Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Für Freunde historischer „Schinken“ eine wahre Freude, für die ich nur zu gerne fünf Leselöwen vergebe.

Die Bewertung: 

Kommentare:

  1. Will mir die Serie auch noch zulegen da ich in der Gegend groß geworden bin :D

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  2. Ganz ganz herzlichen Dank für diese wunderwunderschöne Rezension! Ich war ganz gerührt, als ich sie heute Vormittag zum ersten Mal gelesen habe und musste sie auch gleich auf Facebook teilen.
    Selbstverständlich wird sie bald auf meiner Homepage verlinkt. Darf ich auch daraus für die "Leserstimmen" zitieren?

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  3. Aber selbstverständlich gerne - ich freue mich doch, wenn meine Rezensionen dazu führen, dass die wirklich guten Bücher regen Zuspruch bekommen :-)

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  4. Danke erstmal für deine Büchertipps!
    Die Rezi ist echt super und ich finde es hört sich sehr spannend an! Ich werde die Tage direkt mal in die Bücherei gehen und es mir ausleihen! :-)
    Viele liebe Grüße,
    Kathrin

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