Dienstag, 29. Mai 2012

Rezension "Frettsack" von Murmel Clausen


Top Unterhaltung



Murmel Clausen
Frettsack
Heyne Verlag
317 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-453-43613-8
8,99  

 


Der Weg zu mir: Auch hier hatte ich im Rahmen einer Leserunde bei LovelyBooks Glück. Bücher dieses Genres lese ich eher weniger – daher dachte ich mir, dass ich es damit mal versuchen könnte. Es hat mir auch richtig viel Spaß gemacht, vielen Dank an den Heyne Verlag und an LovelyBooks – sowie an Murmel Clausen für die tolle Begleitung der Leserunde.

Der erste Satz: „Ich stehe im Biergarten an der Kasse und könnte mal wieder kotzen.“

Das Äußere: Auf dem Cover ist ein kleines Frettchen zu sehen, das direkt „in die Kamera“ schaut. Es sieht so aus, als hält es den Titel des Romans als Schild in den Händen. Das Cover ist toll und hochwertig gemacht mit verschiedenen Farbaufdrucken. Dafür gibt es bestimmt einen Fachausdruck, den ich aber leider nicht kenne :-). Innen beginnt jedes Kapitel nicht mit einer Nummer, sondern mit dem Namen eines Tieres – außerdem gibt es jeweils einen kurzer Satz über die Eigenschaften oder die Besonderheiten der genannten Gattung – manchmal findet man dazu eine passende Analogie im Text. Meistens ist das natürlich eher im übertragenden Sinn zu verstehen – mir hat das gut gefallen.

Das Innere: Jens Fischer hat ein Problem. Leider kommt er bei den Frauen nicht so recht an, und beruflich hat er es leider auch nicht so weit gebracht. Also beschließt er auf Anraten seines WG-Genossen Sven, zumindest als Samenspender erfolgreich zu werden. Die Freude über die zusätzliche Einnahme und die Aussicht, zumindest auf diesem Weg für Nachkommen zu sorgen, ist aber nur von kurzer Dauer: als Sven zwei Frettchen mit in die gemeinsame Wohnung bringt, wird Jens unverhofft von einem der Tiere in den Sack gebissen und verliert die Fähigkeit, fortpflanzungsfähige Spermien zu produzieren. Nun gilt es, herauszufinden, wer denn wohl die letzte intakte Samenspende erhalten hat – denn das ist Jens‘ letzte Chance, eine eigene Familie zu gründen. Wenn da nur nicht die strenge Geheimhaltung auf Seiten der Praxis wäre, die es nun zu umgehen gilt…

Das Wesentliche:  Was für ein Drama! Ich konnte es kaum glauben, dass tatsächlich ein Frettchenbiss in den männlichen Hoden ein Thema für ein Buch sein kann. Da wollte ich mich doch mal lieber selbst von überzeugen, ob der Autor hierzu eine spannende Story erzählen kann. Und das Ergebnis ist tatsächlich einwandfrei: Das Buch strotzt nur so vor verrückten Ideen. 

Wobei – letztlich ist Jens Fischer als Protagonist fast ein Mann wie aus dem richtigen Leben. Schon stramm auf vierzig zugehend, ist er sich seines Lebens und seiner Männlichkeit gar nicht mehr so sicher, zumal die Erfolge bei den Frauen fehlen. Kein Wunder, dass er sich endlich wieder bestätigt fühlt, als er zum Samenspender wird. Und erst recht kein Wunder, dass der Frust groß ist, als klar wird, dass er nach dem Biss das Thema „Eigene Familie“ vollständig ad acta legen kann. Da kann man schon mal zu Kurzschlusshandlungen neigen – zumal Jens‘ skurriler Zimmergenosse Sven ohnehin nur Unsinn im Kopf hat. 

Sven ist tatsächlich mehr als durch den Wind, denn als zweites Standbein neben einem festen Beruf möchte er sich eine eigene Frettchenzucht aufbauen, womit das ganze Unglück seinen Anfang nimmt.  Was man sich denken kann, passiert: der Einbruch in die Arztpraxis, um herauszufinden, an wessen Adresse denn wohl die letzte Samenspende gegangen ist. Und spätestens ab diesem Zeitpunkt geht alles drunter und drüber. Es entwickelt sich so eine schräge Geschichte, jedes Kapitel birgt neue Überraschungen, und oft musste ich richtig laut lachen. 

Natürlich kommen in der Geschichte auch Frauen vor: da ist zum Beispiel Maren, die tatsächlich Jens letzte Samenspende erhalten hat. Damit wird sie natürlich zum Ziel seiner Begierde, ungeachtet der Tatsache, dass sie in festen Händen ist. 

Murmel Clausens Schreibstil ist grandios. Er bewegt sich ständig dermaßen auf der Schwelle zwischen Tiefsinn und Oberflächlichkeit, dass die Lektüre eine einzige Freude ist. Ich bin sicher, dass Clausens „Schreibe“ Männern wie Frauen gleichermaßen gefällt. Auf der Website des Verlags könnt ihr euch mittels einer Leseprobe davon überzeugen.

Das Fazit: Herrlich zu lesen, mit einem Wortwitz, der seinesgleichen sucht. Ich hatte richtig Freude an Murmel Clausens Debutroman „Frettsack“ und kann es als leichte Sommerlektüre nur empfehlen. Viele Wendungen in der Geschichte sind total überraschend, so dass man als Leser immer gespannt ist, in welche Situation der Autor seine Protagonisten wohl als nächstes stolpern lässt. Toll gemacht!

Die Bewertung: 
 
Der Lieblingssatz: „Frauen sind die besseren Männer, solange es nicht um Technik oder Autos geht.“ (Seite 263)

Kommentare:

  1. Klingt wirklich sehr unterhaltsam, kommt auf meine Merkliste.

    LG Andrea

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  2. Hört sich sehr gut an, schreib ich auch auf meine Liste.
    lg Manu

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  3. das buch ist wirklich witzig,mich stört nur dass unfruchtbar mit impotent gleichgestellt wird,und nach dem abbinden der samenleiter ist mann nicht kastriert.
    lg,monika

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  4. Hallo liebe Lesemaus! ☺

    Ich hoffe, dass ich dich noch nicht gefragt habe, falls doch, bitte verzeih' mir ...
    Hast du schon vom Bloggernetzwerk gehört? Wenn nicht, dann lass' ich dir mal eben den Link zum Hintergrund des Blogprojekts da:
    https://bloggervernetzt.wordpress.com/an-blogger/
    Jedenfalls bin ich dort seit etwa seit März 2015 Mitglied und würde mich sehr freuen, wenn ich deine Rezension hier zu "Frettsack" verlinken dürfte. (Und mit deiner Erlaubnis hoffentlich auch in Zukunft ein paar deiner Rezensionen?)
    Und hier sende ich dir noch einen Beispiellink, wie das Ganze im Endeffekt aussieht:
    https://bloggervernetzt.wordpress.com/2015/03/20/frettsack-01-von-murmel-clausen/

    Über eine kurze Antwort (gerne hier, ich schaue wieder vorbei) würde ich mich sehr freuen!
    Ganz lieben Gruß ♥,
    Janine

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