Sonntag, 24. Juni 2012

Rezension "Solange du mich siehst" von Cecilia Ahern


Kurz aber übersinnlich



Cecilia Ahern
Solange du mich siehst
Krüger Verlag
122 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-8015-0149-3
9,99  €




Der Weg zu mir: Cecilia Ahern lese ich ja zwischendurch ganz gerne – und so konnte ich in der Bücherei nicht widerstehen und habe natürlich zugegriffen, als das Buch im Neuerscheinungs-Regal stand.

Der erste Satz: „So ein schöner Tag, sagt sie.“

Das Äußere: Das kleine Hardcover-Büchlein ist schön gemacht – der Titel ist in einen verzierten Rahmen geschrieben, der aussieht wie ein Spiegel. Da im Buch auch ein Spiegel vorkommt, passt das natürlich sehr gut. Der Schriftzug ist Ahern-like und passt gut zu den anderen Büchern – nur die lila Farbe ist ungewöhnlich. Mir gefällt’s.

Das Innere: Hier handelt es sich nicht um einen Roman, sondern um zwei Kurzgeschichten, die Cecilia Ahern geschrieben hat, als sie sich eine Auszeit vom Romanschreiben genommen hat. In der ersten Geschichte („Im Lächeln der Erinnerung“) hat ein Erfinder eine Maschine entwickelt, die Erinnerungen erschafft und einem Menschen so ins Gehirn brennen kann, dass er glaubt, er habe sie genau so erlebt. Die zweite Geschichte („Das Mädchen im Spiegel“) handelt von einem jungen Mädchen, dessen blinde Großmutter im ihrem ganzen Haus die Spiegel verhängt hat. Was es damit auf sich hat, erfährt sie erst, als sie bereits erwachsen ist. 

Das Wesentliche:  Falls sich jemand an die „Gespenster-Geschichten“ erinnert, die es mal als „Groschenroman“ gab (oder immer noch gibt?), diese Stories sind so ähnlich. Und das ist jetzt nicht negativ gemeint, denn beide Geschichten sind sehr phantasievoll. Ich habe mich gefreut, dass Cecilia Ahern mit diesen Geschichten einen Schritt weiter gegangen ist, als sie es normalerweise in ihren Büchern tut. 

Bei der ersten Geschichte musste ich an den Film „Brainstorm“ denken. Falls ihr den nicht kennt, dann solltet ihr euch diesen Film aus den frühen 80ern mit Christopher Walken und Nathalie Wood auf jeden Fall mal irgendwo ausleihen. Da geht es darum, dass jemand mit Hilfe einer Art Kopfhörer seine eigenen Empfindungen aufnimmt. Wer sich im Anschluss den Kopfhörer aufsetzt, fühlt die gleichen Gefühle nach. Das ist erst mal nichts Spannendes – aber eines Tages zeichnet jemand seinen eigenen Tod auf…  Sorry für den Exkurs, aber das musste jetzt kurz sein, kicher.

Story Nummer 2 hat mir am besten gefallen. Ahern schildert in der nur etwa 50 Seiten langen Geschichte sowohl die Kindheit der jungen Protagonistin als auch ihr Erwachsensein. Bereits die Geschehnisse in der Kindheit lassen vermuten, dass es mit den verhangenen Spiegeln eine ganz besondere Bewandtnis hat. Die Auflösung ist aber nur zum Teil so vorhersehbar und hat mich doch noch überrascht.

Schade nur, dass das Büchlein so dünn ist. Ich hätte gerne noch mehr Geschichten von dieser Art gelesen und würde mich freuen, wenn sich Frau Ahern mal wieder eine solche „Auszeit vom Schreiben“ nimmt und in der Zeit eine ganze Reihe weiterer übersinnlicher Stories kreiert. Gut, dass ich das Buch aus der Bücherei leihen konnte, denn ansonsten wären mir 9,99 € für nur 122 Buchseiten im Verhältnis doch etwas viel gewesen.

Das Fazit: Zwei schöne Geschichten, die noch ein gutes Stück weiter von der Realität entfernt sind, als man es von Cecilia Ahern gewöhnt ist. Freunde übersinnlicher Geschichten werden auch dann ihre Freude daran haben, wenn sie bisher nichts mit Cecilia Ahern anzufangen wussten. Das einzige Manko ist der im Vergleich zu dem doch kurzen Lesegenuss recht hohe Preis.

Die Bewertung:
 

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