Mittwoch, 13. Juni 2012

Rezension "Stimmen in der Nacht" von Laura Brodie


Verhaltene Spannung

  

Laura Brodie
Stimmen in der Nacht
Deutscher Taschenbuch Verlag
332 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-423-24912-6
14,90  €
 


Der Weg zu mir: Dies ist ein Buch, für das ich mich bei Vorablesen beworben habe. Die Leseprobe war zu verlockend – dazu gleich mehr. Herzlichen Dank an Vorablesen und an den dtv Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!

Der erste Satz: „Emma hörte die Stimmen zum ersten Mal, als sie ihrer Tochter gerade liebevoll die Bettdecke über die Schultern zog.“

Das Äußere: Das broschierte Buch ist eine dtv Premium Ausgabe, was bedeutet, dass es erst einmal größer als normale Taschenbücher ist und von der Ausstattung her allein durch die doppelten Umschlagklappen hochwertiger wirkt. Solche Ausgaben sind schön, aber oft dafür bekannt, dass schon beim ersten Lesen die ersten „Leserillen“ im Buchrücken erscheinen. Das ist hier nicht der Fall, was ich als sehr positiv bewerte. Das Cover schließlich zeigt ein kleines Mädchen, das den Leser mit großen Augen ansieht – wahrscheinlich Emmas Tochter, von der man nun gerne erfahren möchte, was es mit den gehörten Stimmen auf sich hat.

Das Innere: Dozentin Emma lebt mit ihrem Mann und ihrer 5-jährigen Tochter Maggie in einem Haus, das etwas abgeschieden am Rande eines Sees liegt. Ein beliebter Platz für Studenten, die ein lauschiges Plätzchen im Grünen suchen. So hört Emma eines Abends, als sie mit Maggie allein daheim ist, Stimmen vom Ufer des Sees. Drei Studenten machen es sich dort gerade gemütlich. Emma überzeugt die drei zunächst, doch wieder ihrer Wege zu gehen. Doch dann entdeckt Emma am Arm der jungen Sandy ihr eigenes, gestohlen geglaubtes Armband. Als sie die drei zur Rede stellt und sogar mit einem Verweis vom College droht, eskaliert die Situation. Und die kleine Maggie bekommt alles mit…

Das Wesentliche:  Laura Brodie startet ihren Roman mit einem richtig spannenden Auftakt. Die Geschehnisse am Ufer des Sees und danach in Emmas Haus sind so eindringlich geschildert, dass man die unterschwellige Bedrohung bereits zu Beginn spürt. 

Nach der Eskalation gibt es allerdings einen zeitlichen Break von zehn Jahren. Maggie ist zehn Jahre älter – jetzt also fünfzehn Jahre alt – und lebt bei ihrem Vater. Da sie immer wieder von den damaligen Geschehnissen träumt, in ihren Träumen jedoch die wesentlichen Passagen ausgeblendet bleiben, geht sie regelmäßig zu einem Therapeuten. So erfährt man nach und nach mehr über die Nacht, die Maggies Leben so stark beeinflusst hat. 

Kompliziert wird es für Maggie, als sie in ihrer Mathematiklehrerin Sandy, die junge Studentin von damals, wiedererkennt. Doch nicht nur für Maggie, sondern auch für Sandy ist es eine heikle Situation. Auch sie hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt, und die Geschehnisse von früher wirken aus Sandys Sicht noch einmal ganz anders. Dadurch, dass Laura Brodie die Möglichkeit gewählt hat, alles auch aus der Sicht einer weiteren beteiligten Person zu schildern, kommt etwas Bewegung in den Plot, der sich bis dahin recht stark am letztlich alltäglichen Leben von Maggie orientiert. 

Einige Passagen waren leider recht langatmig. Ein Beispiel: Eines Tages nimmt sich Maggie eine Auszeit von der Schulstunde und sucht die Ruhe im nahegelegenen Wald. Der Schul-Officer hat ihre kleine Flucht allerdings über eine Überwachungskamera beobachtet und folgt ihr. An dieser Stelle gibt es ein ganzes Kapitel über diesen Officer und sein Leben und wieso und warum er als Polizist an der Schule gelandet ist. Es gibt einige solcher Stellen, die meines Erachtens die Handlung nicht wirklich vorantreiben und eher wie Füllstoff wirken – das ist schade.

Allerdings gibt es eine recht interessante Wendung im Laufe des Romans, die zumindest ein paar der Längen wieder aufwiegt.

Hervorheben möchte ich noch Laura Brodies Art zu schreiben. Ihre Schilderungen sind anschaulich und exakt, dadurch bleibt auf Seiten des Lesers keine Frage offen. Diese Schreibweise zeugt von einer hohen Beobachtungsgabe der Autorin, die sie anschaulich in Worte kleidet. Etwas weniger Detailreichtum zugunsten einer etwas schnelleren Abfolge der Handlung hätte mir jedoch noch etwas besser gefallen.
Sollte euch der Roman interessieren, schaut euch vielleicht vorher die Leseprobe auf der Website des Verlags an. 

Das Fazit: Der zweite Roman von Laura Brodie wartet mit einigen Überraschungen, aber auch mit Längen auf. Daher hat mich das Buch trotz der glaubhaften Darstellung der jungen Maggie nicht komplett fesseln können. Gegenüber dem Erstling fällt dieser Roman etwas zurück, daher vergebe ich hier nur drei von fünf möglichen Leselöwen.

Die Bewertung: 

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