Mittwoch, 18. Juli 2012

Rezension "Als die schwarzen Feen kamen" von Anika Beer


Die andere Welt ist nebenan


Anika Beer
Als die schwarzen Feen kamen
cbj
Empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren
Broschur, 446 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-570-40147-7
12,99 €

Der Weg zu mir: Das erste Wanderbuch, für das ich mich bei LovelyBooks beworben habe, da dieses Buch auch zur Debutautorenchallenge 2012 zählt. An einer Wanderbuchaktion habe ich mich vorher noch gar nicht beteiligt - und es gefällt mir sehr gut! Zumal ich dadurch eine weitere tolle Autorin kennenlernen konnte.

Der erste Satz: „Dick und undurchsichtig türmten sich die Nebelschwaden am rotvioletten Himmel.“

Das Äußere: Das broschierte Exemplar hat eine sehr gute Qualität. Nachdem vor mir schon ein paar Lesestationen waren, halten die Seiten immer noch perfekt, und der Buchrücken ist noch kaum „rundgelesen“. Die auf dem Cover sichtbaren schwarzen Feen sehen für mich eher aus wie Schmetterlinge – was dem recht unheimlichen Charakter des Titelbildes aber nicht schadet. Schemenhaft ist der Umriss einer Gestalt zu sehen – die schwarzen geflügelten Wesen scheinen auf sie zu warten.

Das Innere: Wir alle sind von Schattenwesen umgeben - nur sehen können wir sie nicht. Bei Gabriel ist es anders - er erkennt als einziger diese Schattenwesen. Als er in Maries Schatten neben schwarzen Feen noch etwas anderes Ungewöhnliches entdeckt, versucht er, sie zu warnen. Gemeinsam versuchen sie, etwas gegen die drohende Gefahr zu unternehmen, die mehr und mehr auf Familienmitglieder und Freunde übergreift. Aber welche Rolle spielt dabei die Obsidianstadt, in der Lea mit Hilfe eines namenlosen Ritters an ihrer Seite gegen die Schatten angehen muss, die auch ihre Umwelt nach und nach zu verschlingen scheinen?

Das Wesentliche: Marie soll laut Klappentext erst 15 Jahre alt sein. Mir erschien sie älter und reifer, besonders im Vergleich zu ihren beiden Freundinnen Theresa und Jenny, die vor allem Jungs, Musik und Kosmetik im Kopf haben und über kaum etwas anderes reden können. Gerade Maries beste Freundin Theresa enttäuscht sie immer wieder – eigentlich trifft sie sich nur dann mir ihr, wenn sie dadurch einen Vorteil erzielen kann. Marie durchschaut dieses Spiel sehr genau – ist jedoch besonders zu Beginn noch nicht in der Lage, sich ihr gegenüber zu behaupten. Das verändert sich allerdings im Laufe des Romans. Man merkt förmlich, wie Marie durch die Geschehnisse immer reifer wird – und gerade dann Verantwortung übernehmen kann, wenn es darauf ankommt. 

Marie ist eine Halbwaise: Ihr Vater ist ums Leben gekommen, als Marie noch recht klein war. Dieser Schicksalsschlag hat ihr so sehr zugesetzt, dass sie schon seit langen Jahren in Behandlung bei einem Psychotherapeuten ist. Wenn Marie beschreibt, dass die Praxis ihres Therapeuten für sie voller Licht und wie eine zweite Heimat ist, dann glaubt man ihr das unbesehen und kann es richtig nachempfinden. Der Leser erlebt mit, wie Marie mit der Hilfe des Psychologen wieder zur Ruhe kommt und aufatmen kann – das ist schön gemacht.

In ihrem Debutroman „Als die schwarzen Feen kamen“ schafft Anika Beer aber genauso mühelos den Übergang von der Realität ins Übersinnliche. Dieser Übergang geschieht für den Leser nicht abrupt und schnell, sondern ganz sanft, indem mehr und mehr übersinnliche Elemente in die Geschichte eingewoben werden. Vor allem dieser geruhsame Übergang „auf die andere Seite“ hat für mich den besonderen Charakter des Buches ausgemacht. Besonders die Grundidee, dass sich aus jedem dunklen Gedanken eine schwarze Fee manifestiert, gefiel mir gut.

Einige Kapitel spielen in der "Obsidianstadt", deren Hintergründe sich erst im Laufe des Buches erschließen. Hier gibt es ebenfalls ein junges Mädchen (Lea), das sich gegen dunkle Wesen zur Wehr zu setzen versucht. Und auch sie hat genau wie Marie einen Vertrauten an ihrer Seite, auf den sie sich blind verlassen kann. Anika Beers literarische Ausflüge in diese Obsidianstadt haben die Entwicklung des Handlungsablaufs für mich noch spannender und vielfältiger gemacht.  

Gabriel ist mein persönlicher Held der Geschichte. Er ist derjenige, der Maries schwarze Feen entdeckt und sich trotz der Möglichkeit, dass diese Tatsache total falsch bei Marie ankommen könnte, ihr gegenüber offenbart. Er tut dies behutsam und sehr zurückhaltend, denn auch er lebt mit einer Bestie in seinem Schatten. Marie und Gabriel werden im Laufe des Buches nicht nur zu Schicksalsgefährten, sondern zu richtig guten Freunden, zwischen denen es mehr als einmal auch richtig knistert - jedoch nie soviel, dass es der restlichen Story schaden würde. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist für meinen Geschmack genau richtig dosiert.

Der Kampf gegen die Schattenwesen läuft übrigens manches Mal richtig heftig ab - man braucht also keineswegs davon ausgehen, dass die Geschichte irgendwie plüschig aufgemacht wäre, denn das ist ganz bestimmt nicht der Fall. Sie ist im Gegenteil richtig schön düster und unheimlich!

Hier geht es zur Leseprobe auf der Seite des Verlags: klick

Das Fazit: Ein ganz tolles Debut der Autorin Anika Beer – ich werde mir ihren Namen sicher für die Zukunft merken. Vom Spannungsbogen her und auch sprachlich ist das Buch richtig toll gemacht. Dazu zwei Hauptcharaktere, die man von Beginn an mag. Mehr braucht ein solcher Roman nicht, um lange im Gedächtnis zu verweilen. Klare Leseempfehlung mit fünf Leselöwen!

Die Bewertung: 

Kommentare:

  1. Hey,
    danke für die schöne Rezension, jetzt werde ich mir das Buch wohl kaufen müssen.... toll, wieder mehr Geld weg :/
    :D
    Grüße, KQ

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  2. Hey!
    Eine sehr schöne Rezi, der ich gern zustimme. Auch mich konnte das Buch begeistern. Es hat mich sogar ziemlich überrascht, da ich mit "etwas anderem" gerechnet habe.
    Liebe Grüße
    Anka

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  3. Hi!

    Danke für deinen Besuch auf meinem Blog. Bin jetzt auch Leserin bei dir. Dein Blog gefällt mir sehr gut! :-)

    LG
    Roxann

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