Sonntag, 22. Juli 2012

Rezension "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry"

Wahrheit auf dem Weg



Rachel Joyce
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Krüger Verlag
378 Seiten
Hardcover
Erschienen 2012
ISBN 978-3-8105-1079-2
18,99 €



Der Weg zu mir: Bei mir ist das Buch vorbeigewandert, weil ich mich bei der Buchkolumnistin dafür beworben habe. Nun wird es seinen Weg zur nächsten Station auf den Blog von Cathi antreten - natürlich nicht ohne die gewünschten zahlreichen handschriftlichen Anmerkungen meinerseits :-)


Der erste Satz: Der Brief, der alles verändern sollte, kam an einem Dienstag.


Das Innere: Harold erhält einen Brief von einer alten Arbeitskollegin, Queeny. Leider enthält dieser Brief eine schlechte Nachricht, denn Queeny liegt im Sterben. Als sich Harold auf den Weg macht, um seinen Antwortbrief an Queeny in den Briefkasten zu werfen, läuft er einfach immer weiter, zuerst einfach nur jeweils zum nächsten Briefkasten, und dann einfach auf direktem Weg zu Queeny. Nur, dass Queeny am anderen Ende von England lebt, und der Weg zu ihr 1.000 Kilometer lang ist...


Das Äußere: Das Hardcover-Buch ist unheimlich schön gestaltet. Vorne auf dem Umschlag sind Harolds Schuhe abgebildet, die Rückseite zeigt den Briefkasten und eine Postkarte von Harold, adressiert an Queenie in Berwick-upon-Tweed. Hinten im Buch ist eine Englandkarte abgebildet, auf der man Harolds Weg nachvollziehen kann.


Das Wesentliche: Was für ein ungewöhnlicher Roman. Er beginnt eigentlich ganz harmlos, indem der Leser einen Einblick in Harolds Ehe mit Maureen erhält: Beide haben sich in ihrem Leben arrangiert - aber mehr gibt diese Ehe scheinbar nicht mehr her. Sie haben sich in jungen Jahren kennengelernt, haben ihren Sohn David gemeinsam großgezogen - was nicht immer einfach war -, Harold ist seinem Beruf nachgegangen, und nun sind beide im Rentenalter. Maureen verbringt ihre meiste Zeit damit, Harold hinterherzuputzen. 

In diese Situation platzt Queenies Brief. Dieser erhält keine gute Nachricht, denn Queenie ist todkrank. Harold erinnert sich an ihre Zusammenarbeit, und er erinnert sich daran, dass Queenie ihm einmal aus einer schwierigen Situation geholfen hat. Dass er es ihr nie gedankt hat, macht ihm sehr zu schaffen. Dies ist wohl der Auslöser dafür, dass sich Harold einfach unverhofft auf den Weg zu Queenie macht - zu Fuß! Er geht einfach los, ohne über die Konsequenzen nachzudenken.

Auf dem Weg wälzt Harold das eine oder andere Problem, und mehr als einmal suhlt er sich in seinem Selbstmitleid. Er sinniert über seine Kindheit nach, seine erste Begegnung mit Maureen, seine Zeit als junger Vater, als er nie genug Zeit für seinen Sohn hatte. Hier kommt unglaublich viel Bedauern hoch, fast ist es dem Leser zu viel.

Glücklicherweise trifft Harold auf seinem Weg zahlreichen interessanten, aber auch seltsamen Gestalten. Viele helfen ihm auf seinem Weg weiter, entweder, indem sie ihm ganz konkret Hilfe anbieten oder Geschenke machen, die ihn auf seinem Weg unterstützen (Kompass!), aber auch, indem sie ihm in seinem Gedankengang ein Stück weiterhelfen. Natürlich wird auch irgendwann die Presse auf Harolds Pilgerweg aufmerksam. Die Leute, die sich ihm dann anschließen und seine Sache zu ihrer eigenen machen, gehen nicht nur Harold, sondern auch dem Leser ziemlich auf den Geist. Aber genau so könnte es in Wirklichkeit passieren, das ist ja das Erschreckende.

Als Leser verfolgt man Harolds Weg Richtung Berwick-upon-Tweed in allen Höhen und Tiefen. Hier steht natürlich auch im Hintergrund, dass man erfahren möchte, wofür genau Harold Queenie nie gedankt hat. Und natürlich möchte man wissen, ob es Harold wirklich gelingt, sie "nur" mit einer Wanderung wieder gesund zu machen. Und man möchte auch erfahren, wie es Maureen gelingt, mit diesen geänderten Lebensumständen umzugehen. So kritisch ich Maureen am Anfang des Buches als Protagonistin gesehen habe, so gemocht habe ich sie am Ende. Denn auch sie hat für mein Empfinden im Laufe der Zeit ihren Weg gefunden - schön!

Für das Buch hat der Verlag eine eigene Facebook-Seite gestaltet, auf der die Eindrücke aller Wanderbuch-Leser zusammenkommen sollen. Hier geht es zur Fanpage: klick

Das Fazit: Ein schönes Buch über den Sinn des Lebens. Verpackt in einer wunderbaren Geschichte gibt die Autorin dem Leser viele philosophische Ansichten über das Leben mit. Ganz kleine Längen machen sich bemerkbar in den Phasen von Harolds Selbstmitleid. Glücklicherweise erlebt er auf seinem Weg so viel, dass diese fast gar nicht auffallen.

Die Bewertung:



Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezension! Ich möchte das Buch auch noch unbedingt lesen :)

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  2. Ich habe vor kurzem eine Leseprobe von dem Buch bekommen und muss sagen, es hat sich gut angelesen :) Werds mir demnächst kaufen, da ich wissen möchte, wie es weitergeht und was Harold noch so alles erlebt.
    Lieben Gruß
    deine neue Leserin Jasmin
    P.S.: Wenn du magst, schau doch auch mal bei mir vorbei. Würde mich freuen: http://jasmins-buecherblog.blogspot.de/

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