Montag, 9. Juli 2012

Rezension "Hinter deiner Tür" von Sylvia M. Dölger

Geht nah und macht trotzdem Mut



Sylvia M. Dölger
E-Book
Verlag: Sylvia M. Dölger
ASIN: B0076PHDAC
199 Seiten
3,99 Euro




Der Weg zu mir: Ich hatte mir den Roman bereits vor einigen Wochen bei Amazon heruntergeladen, als dieser für kurze Zeit kostenfrei zur Verfügung stand. Ich habe es nicht bereut - zumal ich ja Sylvia M. Dölger und ihre Schreibweise bereits durch den Jugendroman "Zum Teufel mit Barbie" kannte (Rezension hier: klick).

Der erste Satz: "Stufe für Stufe stieg ich die Gangway zum Flieger hoch."

Das Äußere: Da es sich (zunächst) um ein E-Book handelt, kann ich zu Haptik o. ä. nichts berichten. Das Cover zeigt eine junge Frau, die sich wie schutzsuchend in eine Decke wickelt. Im Hintergrund sieht man verschwommen eine Tür - hier muss es sich um die Tür handeln, die der Frau so zu schaffen macht. Man hofft unwillkürlich, im Buch mehr darüber zu erfahren.

Das Innere: Lena, die 32-jährige Protagonistin, unternimmt mit ihrem Freund Jan, einem Fotografen, eine Flugreise nach Paris. Doch kurz nach der Rückkehr in die Heimat wird sie von Jan verlassen. Das ist nicht der einzige private Problem, das Lena zu bewältigen hat - denn parallel muss sie sich zum einen um ihren Vater kümmern, der von der Mutter wie aus heiterem Himmel verlassen wird, zum anderen lädt ihre Freundin ständig ihre beiden Kinder bei ihr ab. Auch der Job in der Fabrik, den sie nach einem abgebrochenen Studium angenommen hat, macht sie nicht zufrieden. So hadert die junge Frau mit sich und ihrem Leben, als sie auf Thilo, einen alleinerziehenden Vater, trifft. Wird Lena ihre Schwierigkeiten in den Griff bekommen, um einen Neuanfang zu wagen?

Das Wesentliche: Lena ist eine ganz normale junge Frau. Naja, etwas dünn ist sie vielleicht. Deswegen begleitet sie das Schimpfwort "Bohnenstange" auch schon ihr ganzes Leben. Sie hat sich dieses Wort selbst so zu eigen gemacht, dass sie sich selbst schon in Gedanken so tituliert. Zum Beispiel gleich zu Beginn des Buches, als Lena mit ihrem Freund, einem Fotografen, die erste Flugreise ihres Lebens nach Paris unternimmt, und sie die Chance erhält, für ein Fotomodell einzuspringen und Modeaufnahmen zu machen. Sie glaubt einfach nicht an sich und ihren Körper. Das geht so weit, dass sie sich Gedanken um eine Brustvergrößerung macht, obwohl sie dafür eigentlich nicht genug Geld hat.

Erst nach und nach wurde mir klar, dass Lena ein sehr schwerwiegendes Problem hat - ich habe die Anzeichen als Bulimie gedeutet. Langsam enthüllen sich dem Leser die Hintergründe von Lenas Schwierigkeiten. Immer scheint Lena zur Stelle zu sein, wenn man sie braucht, nie kann sie "Nein" sagen. Das fängt an mit ihrer Freundin, die Lena ständig als Babysitterin missbraucht - der hätte ich gerne mal den Kopf gewaschen. Auch Lenas Vater braucht ständig Zuspruch, vor allem, als er von Lenas Mutter verlassen wird und immer mehr zur Flasche greift.

Das größte Problem scheint jedoch in Lenas Vergangenheit zu liegen - ihrem kleinen Bruder ist in ihrer Gegenwart etwas Schlimmes zustoßen. Dies ist eine der Türen, die Lena allein nicht zu öffnen vermag. So schöpft man als Leser natürlich Hoffnung, als Lena im Yogakurs auf Thilo, einen jungen Vater, trifft. Man wünscht sich sehr, dass Lena in ihm einen Mann findet, der sie so annimmt, wie sie ist. Doch die Wünsche des Lesers stehen hier natürlich hintenan - in allererster Linie geht es um Lena. Schön, wie Sylvia M. Dölger Lenas Weg zu sich selbst beschreibt. Es sind kleine Schritte, die sich am Ende zum großen Ganzen fügen.

Sylvia M. Dölger wartet im Laufe des Romans mit ein paar Überraschungen auf, die genau richtig dosiert sind, um eine kontinuierliche Spannung zu erzeugen. Das Spiel mit den Gedanken der Leser ist der Autorin richtig gut gelungen. Man möchte Lena unterstützen, ihr die Augen öffnen, sie vor falschen Freunden bewahren und am liebsten noch den gleichen Yogakurs wie sie besuchen.

Das Fazit: Mir hat auch dieses Buch von Sylvia M. Dölger sehr gut gefallen. Lena, die junge Hauptprotagonistin, versucht auf rührende Art und Weise ein ganz normales Leben zu leben. Sie dabei zu beobachten, geht nahe und ist jederzeit spannend. Ein tolles Buch insbesondere für Frauen, die die Themen Selbstbestimmung und Selbstfindung derzeit verstärkt im Fokus haben - oder aber sich mit Tiefgang unterhalten lassen wollen.

Die Bewertung: 


Kommentare:

  1. hallo, das hört sich ja wirklich interessant an. Wird mal gleich auf meinen Kindle-SuB wandern :-)) L.G. Annette

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  2. Danke für diese schöne Rezension! Liebe Grüße, Sylvia

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    1. Liebe Sylvia, da freue ich mich aber, dass du auch persönlcih hier vorbeischaust :-)

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