Freitag, 24. August 2012

Rezension "Schattenspieler" von Michael Römling

Ein spannender Fundus an Geheimnissen



Michael Römling
Schattenspieler
Coppenrath Verlag
349 Seiten
14,95 €
ISBN 978-3-8157-5307-1
Empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre





Der Weg zu mir: Der „Schattenspieler“ ist das allererste Buch, was ich durch Blogg dein Buch vom Coppenrath Verlag erhalten habe – vielen Dank dafür! Ich halte mich also ran, es schnell zu rezensieren, denn es ist schon ein paar Tage bei mir.

Der erste Satz: "Er soll uns bleiben, was er uns ist und immer war", schnarrte die Stimme aus dem Radio.

Das Äußere: Das Buch ist phantasievoll aufgemacht. Auf dem Cover erkennt man im Hintergrund eine Karte – einen historischen Stadtplan von Berlin. Dieser ist jedoch direkt auf das Hardcover aufgedruckt und scheint durch den transparenten Schutzumschlag nur hindurch. Das habe ich so bisher nur bei wenigen Büchern gesehen und gefällt mir sehr gut! Der Buchumschlag enthält innen zahlreiche Fotos mit Motiven aus der Zeit des 2. Weltkriegs – hier erhält man direkt einen Eindruck von der Atmosphäre, die dann auch im Buch selbst wieder zu finden ist.

Das Innere: Berlin, am Ende des 2. Weltkriegs. Nachdem er schon seine Eltern verloren hat, ist Leo bei seinem Freund Wilhelm untergetaucht. Er schwebt in ständiger Gefahr, denn als Jude darf er sich in der Öffentlichkeit nicht zu erkennen geben. Während eines schweren Luftangriffs verschwindet Wilhelm, und so muss sich Leo auf die Flucht begeben. Auf seiner Flucht stößt er auf einen seltsamen Transport und muss sich erneut verstecken  – nur um dort mitzuerleben, wie zwei Morde geschehen. Erst als die Siegermächte beginnen, Berlin langsam einzunehmen, kommt auch Leo etwas zur Ruhe. Er schlüpft bei Friedrich unter, dem Sohn eines hochrangigen deutschen Offiziers, der ums Leben kam. Die Jungen freunden sich an und finden heraus, dass Friedrichs Vater in Schmuggelgeschäfte mit Kunstgegenständen verwickelt war. Leo zählt eins und eins zusammen, und die Jungen machen sich im zerstörten Berlin auf eigene Faust auf die Suche nach einer verschollenen Bildersammlung – nicht, ohne dabei zahlreiche Abenteuer zu erleben…

Das Wesentliche: Michael Römling hat ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte zum Ausgangspunkt seines Romans gemacht - dabei ist ihm gelungen, auf gefühlvolle Weise die Balance zwischen einerseits extrem schrecklichen Geschehnissen – wie den Luftangriffen auf die schon arg gebeutelte Stadt Berlin – und andererseits dem persönlichen Erleben seiner Protagonisten zu halten. Man muss den Autor zudem dafür loben, dass er dabei in keiner Weise Schwarz-Weiß-Malerei betreibt; gerade in der Beschreibung des Zusammentreffens der verschiedenen Siegermächte und der verschiedenen Beteiligten bleibt er bemerkenswert neutral.

Ich konnte mich gut in die Berliner Atmosphäre hineinversetzen: der angenehme, nicht aufdringliche Sprachstil machte es mir zusätzlich leicht. Ich hatte nicht das Gefühl, in einem „historischen Roman“ zu stecken, sondern mir erschien die Schreibweise im Gegenteil recht modern. Deswegen gehe ich davon aus, dass Michael Römling mit seinem Buch dadurch ohne Probleme auch die Zielgruppe gemäß Altersempfehlung erreichen wird.

Leo und Friedrich sind zwei Jungen von eher ernsthafter Natur. Kein Wunder, haben sie doch während des 2. Weltkriegs zahlreiche Schicksalsschläge miterleben müssen. Man merkt ihnen deutlich an, dass sie für ihr Alter sehr verständig sind. Beide sind recht gewitzt und auch wagemutig, denn sie scheuen sich nicht, sich eigenständig auf die Suche nach dem Kunstschatz zu machen. Manches Mal begeben sie sich dabei in extreme Gefahr – aber Ihr Tun wird auch mehr als einmal mit Erfolg belohnt.

Eine weitere Person hat mir gut gefallen: Friedrichs blinde Schwester Marlene, die zauberhaft Klavier spielen kann und ihre Behinderung als solche gar nicht mehr wahr nimmt. Michael Römling schildert einige schöne Begebenheiten rund um Marlene, z. B. einen Besuch im Zoo, bei dem sie auf ihre ganz eigene Art die Tiere mit den ihr zur Verfügung stehenden Sinnen erfasst. Ich hätte von Marlene gerne noch mehr gelesen – aber sie stärker in den Haupthandlungsbogen einzubauen wäre wahrscheinlich etwas zu kompliziert geworden.

Es gibt natürlich auch einen Schurken im Roman – dieser taucht ständig unter und an anderer Stelle wieder auf. Er ist ein gerissener Mann, der wie ein Chamäleon seine Rollen wechselt, und dabei kontinuierlich das Ziel verfolgt, den verborgenen Kunstschatz wieder in Besitz zu nehmen.

Michael Römling baut den Handlungsrahmen rund um die Suche nach den berühmten Gemälden für seine Protagonisten geschickt auf. Vom Anfang bis zum Ende des Buches bleibt es kontinuierlich spannend, zumal die unterschiedlichsten Personen und Nationalitäten den Schatz gerne in die Finger bekommen würden. Der eine oder andere Cliffhanger am Ende eines Kapitels macht es dem Leser dabei manchmal schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Das Fazit: Das Buch „Schattenspieler“ von Michael Römling ist ein toller Abenteuerroman mit einem gut strukturierten Handlungsbogen. Dem Autor gelingt es dabei, seine sympathischen Protagonisten in einer schweren Zeit der deutschen Geschichte so zu platzieren, dass trotz der äußeren Umstände ihre persönlichen Erlebnisse im Vordergrund stehen und packend erzählt werden.

Eine klare Leseempfehlung meinerseits, durchaus nicht nur für die angegebene Altersgruppe.

Einen Buchtrailer oder Informationen zum Autor erhaltet ihr über den Coppenrath Online Shop.

Die Bewertung: 


Die Lieblingspassage: "Sie ist blind", sagte Leo, als hätte diese überflüssige Feststellung irgendetwas mit dem Haus zu tun. "Im Gegenteil", gab Sirinow zurück. "Sie sieht so gut, dass sie noch nicht einmal Augen dafür braucht." Seite 128

Kommentare:

  1. Dank dieser ausgezeichneten Rezension, werde ich mir sofort das Buch bestellen und bin ganz sicher, Freude beim Lesen zu haben. Danke!

    Gruß Heinrich

    AntwortenLöschen
  2. Ich bin sehr froh, so ein schönes Feedback zu meiner Rezension zu bekommen - das Buch hat es im Übrigen auch auf jeden Fall verdient, gelesen zu werden.

    AntwortenLöschen