Mittwoch, 22. August 2012

Rezension "Traumfänger" von Petra Röder


Gefährliche Traumwelt 


Petra Röder
Traumfänger
Winterwork Verlag
Erschienen 2012
ISBN 978-3-8646-8178-3
292 Seiten
14,90 € (broschiert)
6,99 € (Kindle-E-Book)

Der Weg zu mir: Für dieses Buch habe ich mich bei LovelyBooks in der Leserunde beworben. Das bezaubernde Cover hat mich zuallererst angesprochen. Nachdem ich auch die Inhaltsangabe richtig verheißungsvoll fand, bekam ich glücklicherweise die Kindle-Ausgabe zum Mitlesen. Vielen Dank an Petra Röder für die liebe Begleitung der Leserunde.

Der erste Satz:
„Jeder Mensch träumt, wenn er schläft.“

Das Äußere: Hier hatte ich mal wieder ein E-Book auf meinem Kindle, bei dem ich richtig eifersüchtig auf diejenigen war, die ein „echtes“ Buch für die Leserunde gewonnen haben. Denn das Cover gefällt mir mit dem grünen Hintergrund und dem Schattenriss eines Pärchens davor ganz besonders gut. Dieses Buch ist eines, das man nicht im Regal verstecken würde, sondern bei dem man das Buch möglichst auffällig im Regal platzieren würde, so schön ist es von außen.

Das Innere: Kylie Millers kleine Schwester Emma liegt nach einem Autounfall im Koma, und kein Arzt kann sagen, ob sie wieder daraus erwachen wird. Seit dem Unfall traut sich Kylie selbst kaum noch die Augen zu schließen, denn im Traum hört sie Emma nach ihr rufen. Doch der Schlaf übermannt Kylie natürlich dennoch irgendwann. In der Traumwelt angekommen, trifft Kylie auf Matt, einen jungen Mann, der sich sehr gut in der fremden Umgebung auskennt. Gemeinsam mit Matt begibt sich Kylie auf die Suche nach dem Ausgang aus der unwirklichen Umgebung – und auf den Weg zur Rettung ihrer kleinen Schwester. Doch auch Matt’s Herkunft umgibt ein Geheimnis, das es zu ergründen gilt…
Das Wesentliche: Kylie ist eine tolle Protagonistin, sie ist mutig und scheut sich nicht, ihrer kleinen Schwester zur Hilfe zu kommen. Ihr Ideenreichtum und ihr unermüdlicher Einsatz für ihre Schwester Emma und Matt, den jungen Mann, auf den Kylie während ihres ersten Besuches in der Traumwelt trifft, machen sie zu einer sympathischen Hauptfigur in Petra Röders Fantasy-Roman. Gerade ihre Impulsivität bringt Kylie zwar manches Mal in Schwierigkeiten – mir erschien sie jedoch gerade deswegen sehr authentisch.
Bereits recht früh erfährt der Leser, dass Matt ebenfalls nicht ganz freiwillig in der Welt der Träume lebt. Er folgte als Arzt den Forschungen seines Großvaters, der die Traumwelt erstmals entdeckt hatte. Während einer der Versuchsreihen muss etwas geschehen sein, das die Ursache für Matts Verbleib in dieser Welt war. Welche Verstrickungen zu diesem Umstand geführt haben, wird dem Leser erst nach und nach eröffnet – wobei ich recht schnell einen möglichen Schurken identifiziert habe und ich mit meinem Tipp am Ende auch nicht ganz falsch lag.
Petra Röder hat spannende Ideen in ihren Roman einfließen lassen: Die Möglichkeit, Dinge einfach dadurch in die Traumwelt mitnehmen zu können, indem man sie zum Zeitpunkt des Einschlafens am Körper trägt, fand ich richtig witzig. Besonders gelacht habe ich, als Kylie bei dem Versuch, sich gegen die Gefahren der nächtlichen Umgebung zu wehren, alle möglichen Gegenstände einpackt (Flammenwerfer & Co.), und sich aufgrund ihres schweren Rucksacks kaum noch von der Stelle bewegen kann.
Natürlich hat die Traumwelt auch negative Seiten. Denn das, was dem Körper im Traum zustößt, wird auch in der „echten Welt“ real. Das ist Stoff, aus dem Geschichten entstehen können – und Petra Röder hat genau dieses und weitere Elemente dieser Art wunderbar in die Handlung eingebaut. Auch die Ausgangsidee des Romans – die Situation, dass eine Person, die im Koma liegt, vorübergehend in eine andere Welt eingetaucht ist – ist ja an sich auch gar nicht abwegig. Ehemalige Komapatienten berichten über ihr Empfinden während ihres Komas ja tatsächlich recht häufig, dass sie sich wie in einem (Alb-)Traum gefühlt haben. Das als Ansatzpunkt für einen Roman zu nutzen finde ich spannend – das hätte Petra Röder für meinen Geschmack gerne noch mehr ausbauen können.
Sehr phantasievoll ausgearbeitet sind die verschiedenen Gestalten, die die Traumwelt bevölkern. Da ist von gruseligen, blutrünstigen Seelenfressern über gefährliche Feuerwölfe und hinterhältige Kobolde alles dabei. Besonders der Swapper Needle, den ich mir tatsächlich immer wie einen kleinen Troll vorgestellt habe, hat mir dabei viel Freude gemacht. Er ist ein gewitzter kleiner Kerl, der sich für Handlangertätigkeiten mit Erinnerungen bezahlen lässt, aber im Grunde ein gutes Herz hat.
Mehr als einmal begeben sich die beiden Protagonisten in eine mehr als aussichtslose Situation, so dass ich nicht umhin konnte, als schnell weiterzulesen. Ich bin ein Fan von diesen Cliffhangern, denn sie bringen eine Geschichte zwar schnell voran, aber lassen genug Luft für Umwege auf dem Weg zum Ziel.
Nicht ganz so gut gefallen hat mir die Geschwindigkeit, mit der die (unvermeidliche) Liebesgeschichte zwischen Kylie und Matt wie mit der Tür ins Haus gefallen ist. Meiner Meinung nach hätte die Story auch „nur“ mit einer Freundschaft zwischen den beiden gut funktioniert – und gegen eine zaghafte Annäherung zum Ende hin hätte ich dann auch gar nichts einzuwenden gehabt.
Petra Röder schreibt auf jeden Fall auf eine leichte und eingängige Weise – in ihrem Buch gibt es keinerlei sprachliche Stolpersteine, sondern im Gegenteil eine bemerkenswert flüssig beschriebene Handlung. Das war zwar mein erster, aber ganz sicher nicht mein letzter Roman der mir bis dato unbekannten Autorin. Und in der Tat habe ich mir schon ein weiteres Buch von ihr auf meinen Kindle geladen :-)
Das Fazit: Eine geniale Fantasy-Geschichte mit einem starken Plot und vielen guten Ideen. Wenn die Liebesgeschichte sich etwas langsamer und nachvollziehbarer entwickelt hätte, hätte ich unbesehen die volle Punktzahl gegeben. Also ein fast perfekter Roman!
Die Bewertung: 

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