Mittwoch, 5. September 2012

Rezension "Die Mädchenwiese" von Martin Krist


Spannend und zum Ärgern


Martin Krist
Die Mädchenwiese

Erschienen 2012
Ullstein Verlag

ISBN 978-3-548-28353-1
412 Seiten
9,99 €


Der Weg zu mir: Für die Mädchenwiese hatte ich mich bei Vorablesen beworben, weil ich mal wieder Lust auf einen richtig guten und aktuellen Thriller hatte. Glücklicherweise habe ich das Buch dann auch gewonnen – herzlichen Dank an den Ullstein Verlag und an Vorablesen.
Der erste Satz: „Als hätte er nur auf sie gewartet.“

Das Äußere: Von außen sieht dieses Taschenbuch auf jeden Fall aus wie ein gruseliges Buch – es sind nämlich verschiedene Schmetterlinge wie an einem Mobilé aufgehängt – die Flügel sind dabei zum Teil schon gebrochen. Zum Titel des Buches habe ich dabei allerdings keine Assoziation. Das Taschenbuch hat einen angenehm flexiblen Rücken, so dass überhaupt keine Leserillen entstehen, wenn man vorsichtig ist – das finde ich immer ganz wichtig.
Das Innere: Laura ist mit ihrem Job im Callcenter, ihrer Tochter Lisa und ihrem Sohn Sam überfordert – zumal sich vor einiger Zeit ihr Mann Rolf von ihr getrennt hat und darauf drängt, endlich das gemeinsame Haus zu verkaufen. Eines Morgens erhält Laura einen Anruf von Lisas Klassenlehrerin: Lisa ist nicht zum Schulausflug angetreten. Besorgt eilt Laura nach Hause und versucht herauszufinden, wo Lisa sich aufhalten könnte. Hilfe bekommt sie von ihrem Schwager Frank, der glücklicherweise bei der Polizei arbeitet und so recht schnell eine Vermisstenmeldung absetzen kann. Während Laura daheim verzweifelt nach einem Hinweis auf Lisas Verbleib sucht, nimmt der kleine Sam die Suche selbst in die Hand. Denn er ist der einzige, der weiß, dass Lisa nicht einfach nur von zuhause abgehauen ist…
Das Wesentliche: Martin Krists Thriller „Die Mädchenwiese“ beginnt mit einigen Handlungssträngen, in die ich mich erst einmal hineinfinden musste: Da gibt es Berta, eine alte, verwirrte Frau, die Stimmen hört, aber ganz real ein ermordetes Mädchen im Wald fast liebevoll mit Erde und Ästen bedeckt. Dann ist da Laura, die überforderte zweifache Mutter, die nicht in der Lage scheint, ihren Alltag ohne Mann und mit Job vernünftig zu meistern. Und es gibt Alex, einen ehemaligen Berliner Kriminalbeamten, der sich aufgrund eines Fehlers in seiner Ermittlungsarbeit in die Provinz zurückgezogen hat und nun die Kneipe seiner Eltern weiterführt, die womöglich gar nicht seine Eltern waren.  
Keine Frage, durch diese drei parallel laufenden Szenarien muss man als Leser erst einmal durchblicken. Das gelingt natürlich, wenn man dabei bleibt – wie zu erwarten, laufen die Fäden nach und nach zusammen. Dieses Verweben der Elemente passiert nicht schnell, ganz im Gegenteil: Erst zum Ende hin wird das ganze Ausmaß der Tragödie deutlich gemacht. Dieser Spannungsaufbau hat mir ziemlich gut gefallen. Manche Leser wissen ja häufig schon sehr schnell, wer denn wohl der Täter sein könnte – mir geht es meistens nicht so, und so war es auch hier. Die Spannung hat sich für mich bis zum Schluss durchgängig gehalten.
Mit Laura konnte ich mich jedoch gar nicht anfreunden. Ihren ganzen Ärger und Frust lässt sie an ihren beiden Kindern aus – dabei sind die beiden diejenigen, die am wenigsten dafür können, dass Lauras Ehemann Rolf sie verlassen hat und die Geldsorgen überhand nehmen. Sie ist schon so nicht in der Lage, sich selbst zu reflektieren – ganz schlimm wird es, als Lisa verschwindet. Laura bemitleidet sich die meiste Zeit selbst und steigert sich in ihre Rolle als schlechte Mutter hinein. Dass Martin Krist eine der Hauptleidtragenden in seinem Krimi so wenig liebenswert beschrieben hat, ist ganz schön mutig!
Ich habe mich mehr als einmal auch über alle andern Protagonisten im Buch geärgert, die nicht in der Lage sind, einem kleinen Jungen auch mal zuzuhören. Ständig fahren Mutter, Onkel, Tante & Co. dem kleinen Sam – Lisas Bruder - über den Mund und sind nicht bereit, auch nur ein einziges Mal die Ohren aufzusperren. Als das im Laufe des Buches einfach nicht besser wurde, wurde ich irgendwann regelrecht wütend. So ein pfiffiges Kerlchen – und keiner hört ihm zu! Denn er ist der einzige, der erstens weiß, dass seine Schwester nicht einfach abgehauen ist, sondern der auch noch recht schnell den Beweis dafür findet.
Alex ist die Person im Roman, mit der ich am meisten anfangen konnte. Er ist der ehemalige Polizist, der Berlin den Rücken gekehrt hat, als er die Ermittlung nach einem gefährlichen Serientäter hat aus dem Ruder laufen lassen. Nun betreibt er in der Provinz eine Kneipe und ist dabei, einen Käufer für sein Spreewaldgurken-Rezept zu finden, als ihn der Brief eines Mannes erreicht, der behauptet, sein Vater zu sein. Diese zunächst als Nebenhandlung ausgestaltete Situation erschien mir so wenig zur Haupthandlung zu passen, dass ich richtig gespannt war, wie hier die Fäden zusammenlaufen würden.
Die Ermittlungen selbst stehen übrigens gar nicht so im Vordergrund des Romans – was das Buch deutlich von anderen Büchern dieser Art unterscheidet. Gerade weil man wenig darüber erfährt, was die Polizei unternimmt, um Lisa wieder zu finden, zerren die Szenen aus Lisas Gefangenschaft ziemlich an den Nerven. Das hat Martin Krist gut gemacht – nicht nur der ungewöhnliche Aufbau des Buches, auch sein flüssiger Schreibstil hat bei mir dazu geführt, dass ich das Buch kaum weglegen wollte.
Das Fazit: Alles in allem ein spannender Roman, den ich jedem empfehlen kann, der dringend mal wieder einen Thriller zum Abtauchen braucht. Aber: man muss dazu bereit sein, sich aufgrund der Begriffsstutzigkeit der Protagonisten schon mal in Geduld zu üben.
Die Bewertung: 

Kommentare:

  1. Ich habe dir einen Award verliehen^^

    http://thebookpassion.blogspot.de/2012/09/ich-habe-meinen-ersten-award-von.html

    LG Nona

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    1. Oh wow, das ist ja riesig! Vielen lieben Dank!!! Den Award habe ich ja noch nie gesehen.

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  2. Tolle Rezension - jetzt bin ich ganz neugierig auf das Buch geworden :-) Irgendwie wächst meine Wunschliste grad in den Himmel....

    LG
    Tina

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