Sonntag, 30. September 2012

Rezension "Rebellen der Ewigkeit" von Gerd Ruebenstrunk


Faszinierende Spiele mit der Zeit

 
Gerd Ruebenstrunk
Rebellen der Ewigkeit
arsEdition
Hardcover
416 Seiten
Altersempfehlung des Verlags: ab 12 Jahre
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-7607-6339-6
12,00 EUR

Der Weg zu mir: In diesem Jahr war ich auf der FedCon – der weltbesten StarTrek-Convention, die jährlich im Maritim Hotel in Düsseldorf stattfindet. Dort gab es die Möglichkeit, an einem Gewinnspiel teilzunehmen – und ich habe tatsächlich dieses tolle Buch gewonnen!

Der erste Satz: „Amanda Reisz fluchte.“

Das Äußere: Das Hardcover-Buch zeigt ineinander greifende Zahnräder – und eines dieser Rädchen zeigt im Inneren eine menschliche Iris. Dies wird im Buch auch eine tragende Rolle spielen, insofern finde ich das Cover sehr gut gewählt. Hinzu kommt der orangefarben gefärbte Schnitt der Seiten – richtig toll gemacht!

Das Innere: Wir sind in einer Zeit, in der es kein Problem ist, Lebensjahre ver- und anzukaufen. Diese werden in sogenannten Zeitbatterien der Firma Tempus Fugit gespeichert. Die junge Valerie ist eine der Personen, die mehrere wertvolle Lebensjahre verkauft, um die notwendige medizinische Versorgung ihrer schwer kranken Mutter sicher zu stellen. Währenddessen gerät der junge Willis im Rahmen eines Transportauftrags als Fahrradkurier in eine brenzlige Situation, als sein Kunde von zwei zwielichtigen Gestalten getötet wird. Durch einen Zufall treffen sie auf die Privatdetektivin Karelia, die gerade einen lukrativen Auftrag erhalten hat: augenscheinlich wird Tempus Fugit von Terroristen bedroht – und Karelia soll herausfinden, um wen es sich handelt. Die beiden jungen Leute werden von Karelia als Aushilfen eingestellt – doch ihre Mission ist nicht ganz ungefährlich, geraten sie doch sehr schnell zwischen die Fronten der terroristischen Organisation. 

Das Wesentliche: Wow, was für ein rasanter Roman! Schon das erste Zusammentreffen von Valerie, Willis und Karelia ist spannungsgeladen, so dass der Leser direkt von der Geschichte gefangen genommen wird. Und diese hat es wirklich in sich: allein die Vorstellung, Lebenszeit in Batterien speichern zu können, um diese anderen Personen zukommen lassen zu können, ist ungemein faszinierend. Dass eine Organisation, die dies bewerkstelligt, ein beliebtes Angriffsziel für terroristische Vereinigungen sein könnte, ist insofern auch ein realistisches Szenario und bildet den Ausgangspunkt für die Handlung.

Dass Ricardo, der Inhaber von Tempus Fugit, nicht mit ganz sauberen Methoden arbeitet, wird direkt zu Beginn des Romans bereits im Prolog erläutert. Daher ist dem Leser bereits von Anfang an klar, dass auch Tempus Fugit die eine oder andere Leiche im Keller haben muss: Amanda Reisz, die ehemalige Lebensgefährtin Ricardos, wurde von ihm ausgebootet und aus der Firma gedrängt.

Die sympathische Privatdetektivin Karelia ist auf jeden Fall froh, einen lukrativen Auftrag an Land gezogen zu haben, und stellt mit Valerie und Willis zwei junge Leute als Gehilfen ein, die direkt mit Herzblut an die Ermittlungen gehen. Valerie ist froh, einen Job bekommen zu haben, der ihr ein zusätzliches Einkommen bietet, und Willis ist froh, nach dem gefährlichen Erlebnis als Fahrradkurier direkt einen anderen Arbeitgeber gefunden zu haben.

Willis ist ein toller Charakter, der mir richtig gut gefallen hat. Er stammt aus einem Waisenhaus, hat sich jedoch schnell auf eigene Füße gestellt und sein Leben selbst in die Hand genommen. Auf bewundernswerte Art und Weise stellt er sich allen auf ihn zu kommenden Situationen. Natürlich lässt er sich auch von seinen Gefühlen leiten, doch er reflektiert die jeweiligen Umstände in den meisten Fällen besser, als das ein Erwachsener tun würde. Im Laufe der Handlung kommen er und Valerie sich näher. Die beginnende Freundschaft zwischen den beiden Jugendlichen ist richtig gut nachvollziehbar, gut dosiert und nie übertrieben, so dass es von der übrigen Handlung ablenken würde.

Das Buch fasziniert durch zahlreiche Wendungen, mit denen man zu Beginn nicht gerechnet hätte. So ist z. B. die Geschichte der Zeitbatterien etwas diffiziler als es scheint – einige zwischen die Kapitel eingestreuten kurzen Schilderungen von Personen, die sich auf eigenartige Art und Weise nicht mehr in ihrer eigenen Umgebung zurecht finden, unterstützen den Verdacht, dass es hier um mehr gehen muss.

Gerd Ruebenstrunk schafft es, seinen Roman vielfältig zu gestalten und dadurch keinerlei Längen aufkommen zu lassen. In jedem Kapitel werden die beiden Jugendlichen ordentlich durchgerüttelt. Das überträgt sich durch den lebendigen Schreibstil direkt auf den Leser, der das Buch dadurch mit Hochspannung verfolgt.

Das Fazit: Dieser Jugendroman ist richtig klasse – aber möglicherweise erst ab vierzehn Jahren zu empfehlen, denn es gibt ein paar Szenen, die man erst mal verpacken muss. Die Handlung zieht den Leser jedenfalls sofort in ihren Bann, und es gibt immer wieder neue Überraschungen. Mein erster Roman von Gerd Ruebenstrunk wird bestimmt nicht mein letzter gewesen sein!

Die Bewertung: 

1 Kommentar: