Sonntag, 7. Oktober 2012

Rezension "Das Haus in der Löwengasse" von Petra Schier


Liebe und Intrige im 18. Jahrhundert



Petra Schier
Das Haus in der Löwengasse

Rowohlt Verlag

Taschenbuch
416 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-499-25901-2
8,99 EUR


 

Der Weg zu mir: Eine ganz tolle Leserunde bei LovelyBooks bescherte mir diesen Roman – ich freue mich sehr, den Auftakt einer (hoffentlich) neuen Reihe Petra Schiers miterleben zu können, die dieses Mal im 19.  Jahrhundert und nicht im Mittelalter spielt. Besten Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Testlesebuchs - und herzlichen Dank an Petra Schier - auch diese Leserunde war wieder richtig klasse.

Der erste Satz: „Kalt. Das war die erste Empfindung, die Pauline wahrnahm.“

Das Äußere: Ganz im Gegensatz zu den bisher bekannten historischen Romanen wirkt das Cover hier zwar geheimnisvoll, aber verhältnismäßig modern. Es zeigt eine Straßenlaterne, ein schmiedeeisernes Tor und eine Statue – im Hintergrund ist ein Haus zu sehen. Dieses Cover schafft in meinen Augen eine etwas unheimliche Atmosphäre, die im Buch aber gar nicht anzutreffen war.  

Das Innere: Pauline Schmitz verdient sich ihren Lebensunterhalt als Gouvernante – doch ihr Arbeitgeber möchte mehr von ihr, so dass sie gezwungen ist, woanders neu anzufangen. Fremd in Köln und ohne Referenzen, bleibt ihr zunächst nichts anderes übrig, als eine Stellung als Dienstmagd anzunehmen. Glücklicherweise wird der Textilfabrikant Julius Reuther auf sie und ihr Geschick im Umgang mit Kindern aufmerksam, und er holt sie als Gouvernante für seine Kinder zu sich. Julius fühlt sich mehr und mehr zu Pauline hingezogen – doch seine finanzielle Situation macht eine reiche Heirat erforderlich. Wird Pauline im Haus in der Löwengasse ihr Glück finden oder muss sie sich erneut auf den Weg in die Fremde machen?

Das Wesentliche: Nachdem Petra Schiers übrige historische Romane im Mittelalter angesiedelt sind, ist dieser Roman der erste, der im 19. Jahrhundert spielt. Auch hier merkt man dem Roman an, dass die Autorin viel Zeit darauf verwendet, Lebenssituationen exakt und detailgetreu zu beschreiben. 

Paulines erste Anstellung in Köln im Hause der Familie Stein ist kein Zuckerschlecken. Früh morgens ist sie auf den Beinen, ihre Herrschaft schert sich kein Stück darum, dass sie nach einem langen Tag auch mal eine Pause braucht, und dann hat sie noch nicht einmal eine eigene Kammer zum Zurückziehen. Eindrucksvoll schildert Petra Schier die langen, schweren Arbeitstage im Hause der Steins. Als Leser sehnt man sich schnell einen besseren Job für Pauline herbei, und an diesen gelangt Pauline denn auch per Zufall: Julius Reuther beobachtet sie dabei, wie sie seinen Sohn Peter im Hause der Steins zurechtweist. Da Reuther die Erziehung seiner beiden Kinder ohnehin über den Kopf gewachsen ist, ist er nur allzu gerne bereit, Pauline als Gouvernante in sein Haus zu holen. 

Von da an wird das Buch noch in einer weiteren Hinsicht spannend: Ich liebe die Art und Weise, wie Petra Schier die langsame Annäherung zwischen ihren Protagonisten beschreibt. Hier wird nicht mit der Tür ins Haus gefallen, sondern behutsam und zwischen den Zeilen angedeutet, wie sich ihre Charaktere langsam der Tatsache bewusst werden, dass da „mehr“ sein könnte. Definitiv ist das nicht kitschig, sondern einfach nur romantisch. Außerdem verursacht dieser Erzählstil bei mir dieses berühmte Ziehen in der Magengegend, was nur wenige andere Romane schaffen. Eigentlich kenne ich das eher von (Liebes-)Filmen – Petra Schier schafft es aber, nur mit Worten ein solches romantisches Feeling zu verursachen. Da bin ich jedes Mal wieder richtig baff.

Interessant gemacht war übrigens auch die Situation, in die Pauline durch den Wechsel von der Magd zur Gouvernante gelangte. War sie kurz vorher noch arme Magd gewesen, ist sie nun auf einmal fast auf Augenhöhe mit ihrer ehemaligen Herrschaft – so kommt es auch zu einigen Begegnungen mit der ehemaligen Arbeitgeberin, Frau Stein, die es selbst gar nicht glauben kann, was sie da sieht. Ich habe mich richtig für Pauline mit gefreut!

Als einer meiner Lieblingscharaktere hat sich im Laufe des Romans Julius Mutter, Annette Reuther, entpuppt. Erscheint sie zu Beginn recht oberflächlich und mit Standesdünkel behaftet, so dreht sich dieser Eindruck im Laufe des Buches. Zum Vorschein kommt eine resolute ältere Dame, die das Herz auf dem richtigen Fleck hat und ihren Sohn mehr liebt, als es zu Beginn scheint. 

Eine weitere Person mit einer überraschenden Entwicklung ist Frieda, die Tochter des Unternehmers Oppenheim. Dieser möchte nur allzu gern sein Unternehmen mit dem Julius‘ verschmelzen und sieht seine Tochter schon als Heiratskandidatin für Julius. Dennoch – oder gerade deswegen – wird sie parallel zu einer guten Freundin für Pauline, was für die eine oder andere überraschende Situation sorgt. 

Das Fazit: Wieder ein faszinierender historischer Roman von Petra Schier, den ich in jeder Hinsicht empfehlen kann. Gut recherchierte Fakten aus der Vergangenheit gepaart mit einer fesselnden Story, bei der vor allem die Liebe nicht zu kurz kommt – toll! 

Die Bewertung: 

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