Mittwoch, 17. Oktober 2012

Rezension "Der Bayerische Hiasl" von Manfred Böckl

Historie in spannendem Rahmen




Manfred Böckl
Der Bayerische Hiasl. Das abenteuerliche Leben des Matthäus Klostermayr
Sutton Verlag
352 Seiten
Erscheinungstermin: 16.08.2012
ISBN 978-3-95400-036-4
12,00 €



Der Weg zu mir: Nachdem ich das Gefühl hatte, in diesem Jahr noch viel zu wenig historische Literatur gelesen zu haben, habe ich mich durch die Leseproben der Neuerscheinungen des Herbstes durchgearbeitet. Dabei bin ich bei diesem Roman hängengeblieben. Mein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an den Sutton Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Das Äußere: Das Cover des Romans zeigt ein historisch anmutendes Bild unter Verwendung einer Vorlage der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg. Ich vermute, dass dies den Helden dieses Romans selbst zeigt, den Bayerischen Hiasl. Ich muss zugeben, dass mir das Bild erst im Nachgang der Lektüre - nachdem ich den Bayerischen Hiasl näher kennengelernt habe - auch tatsächlich gefällt. Im Laden hätte es mich allerdings nicht direkt dazu veranlasst, das Buch in die Hand zu nehmen.

Das Innere: Der "Bayerische Hiasl" ist der Name, den die Bayern ihrem Volkshelden gegeben haben - und dies ist auch der Titel des Romans. Es geht um den Jungen Matthäus Klostermayr, der als Sohn eines Gemeindehirten in armen Verhältnissen groß wird. Sein großes Steckenpferd wird die Jagd, und so setzt der Junge alles daran, zu einem sog. "Herrschaftsjäger" zu werden, um seine Leidenschaft auch als Beruf ausüben zu können. Doch durch unglückselige Umstände verkehrt sich die Situation für den jungen Mann ins Gegenteil, und so wird Matthäus auf einmal selbst zum Gejagten auf der Flucht vor der Obrigkeit. Doch dies ist erst der Beginn einer abenteuerlichen Reise...

Das Wesentliche: Der erste Teil des Romans schildert die Kindheit und Jugendzeit des kleinen Matthäus. Tagein, tagaus ist sein Vater auf den Feldern unterwegs, und sobald Matthäus groß genug ist, muss er seinem Vater zur Hand gehen. Da das Einkommen als Gemeindehirte jedoch kaum ausreicht, Matthäus und seine Geschwister durchzubringen, entdeckt Matthäus seine Liebe zur Jagd - denn ein Jäger durfte zur damaligen Zeit einen Teil der Jagdbeute für sich selbst verwenden. Matthäus erste Schritte in die Selbständigkeit sind faszinierend beschrieben: hier wird nicht ständig reflektiert und überlegt, Matthäus folgt einfach seiner Überzeugung. Ich mochte diese eher pragmatische Erzählweise des Romans, die nicht zu viel ausschmückt und gerade deswegen sehr authentisch wirkt.

Im zweiten Teil des Buches erlebt der Leser Hiasls erste und auch einzige Liebe mit. Hier ist aber auch der Ausgangspunkt für Hiasls endgültige Wandlung zum Wilderer und Freibeuter, denn er wird vom Vater seiner Geliebten ans Militär verraten. Danach ist für den jungen Mann nichts mehr so wie es mal war. Schon immer hat er die Autorität der Obrigkeit angezweifelt - und nun sieht er keinen Sinn mehr darin, denen zu gehorchen, die ihn selbst nicht respektvoll behandeln.

Auch in seinen ärgsten Zeiten vergisst Hiasl seine Eltern nicht - es zieht ihn immer wieder in die Heimat, wo Hiasl immer einen Teil seines nicht immer rechtmäßig erworbenen Einkommens abgibt. Diese Verbundenheit mit seinen Angehörigen vermittelt zusätzlich den Eindruck, dass es sich bei Hiasl um einen Mann handelt, der sein Herz trotz aller Umstände immer noch auf dem rechten Fleck trägt.

Mir hat gut gefallen, dass Manfred Böckl in seinem Roman zwar zeitgenössische Ausdrücke verwendet, dieser jedoch nicht in Bayerischer Mundart geschrieben ist. Daher lässt sich das Buch durchgängig flüssig lesen - und im Zweifelsfall kann man in den hinteren Teil des Buches blättern, wo ein kleines Glossar für die notwendige Erläuterung unbekannter Begriffe sorgt.

Manfred Böckl hat für seinen Roman sehr intensiv recherchiert, denn er zeigt die genauen Wege, die der bayerische Freibeuter auf der Flucht vor der Obrigkeit - gemeinsam mit der sich zwischenzeitlich um ihn sammelnden Bande - verfolgt. Fasziniert hat mich dabei besonders, dass der Protagonist tatsächlich so etwas wie ein Volksheld gewesen sein muss - die Bevölkerung setzt auf ihn als erfahrenen Jäger, der sie von die Felder plündernden "Schwarzkitteln", den Wildschweinen befreit. Ich hatte übrigens während der Lektüre das deutliche Gefühl, dass der Autor selbst eine recht starke Sympathie gegenüber seinem Protagonisten hegt, denn die Schilderungen des gefährlichen, rücksichtslosen Hiasl, der unzweifelhaft ebenso existiert hat, kommen im Buch deutlich weniger vor als Schilderungen seiner menschlichen, jedes Unrecht rächenden Handlungen.

Manfred Böckl ist in meinen Augen jedenfalls ein ungewöhnlicher Schriftsteller. Er haucht einer historischen Gestalt derart Leben ein, dass es eine wahre Lust ist, den Weg des Protagonisten durch sein bewegtes Leben zu verfolgen.

Das Fazit: Ein historischer Roman, der aufgrund seiner Authentizität lange in Erinnerung bleibt. Für alle, die sich in ein Stück der deutschen Geschichte versetzen lassen möchten, ohne mit unnötigen Fiktionen konfrontiert zu werden. Beeindruckend.

Die Bewertung:


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