Sonntag, 11. November 2012

Rezension "Talisker Blues" von Mara Laue


Schottische Morde und sympathische Charaktere


Mara Laue
Talisker Blues. Ein Schottland-Krimi

Goldfinch Verlag

Taschenbuch
356 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-940258-16-8
12,95 EUR

 

Der Weg zu mir: Für dieses Buch habe ich mich bei Blogg dein Buch beworben, denn Mara Laue hat mir als Schriftstellerin schon mit ihrem Roman „Die Smaragdjungfer“ (Rezi hier: klick) sehr gut gefallen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich dann auch erstmalig den Goldfinch-Verlag kennen lernen, der sich auf Bücher über Großbritannien spezialisiert hat. Vielen Dank also an dieser Stelle an Blogg dein Buch und den Goldfinch Verlag.

Der erste Satz: <<Die Fähre von Mallaig nach Armadale pflügte durch das graue Wasser des Sound of Sleat, „over the Sea to Skye“.>>

Das Äußere: Man sieht auf dem Cover des Taschenbuchs ein Stück Strand, das vom Meer überspült wird. Auf dem Sand liegt eine blutbesudelte Flasche, das Blut färbt sogar den Sand rot. Dadurch sieht man dem Buch auch direkt den Krimi an. Wer den Klappentext liest, erkennt in der Flasche die geleerte Whiskyflasche, die ein wichtiges Indiz im Kriminalfall ist. 

Das Innere: Kieran MacKinnon kehrt endlich wieder auf seine schottische Heimatinsel Skye zurück. 20 Jahre hat er im Gefängnis gesessen, denn man hat ihn wegen des Mordes an Allison, seiner damaligen Freundin, verurteilt. Nur kann Kieran sich sowohl damals als auch heute nicht im Entferntesten an die Tat selbst erinnern. Als er versucht, in seiner Heimat erneut Fuß zu fassen, sieht er sich vielen Anfeindungen der verschworenen Inselbewohner gegenüber. Erst als er die Biologin Catriona MacDonald kennenlernt, keimt in ihn wieder leichte Hoffnung auf. Doch es geschieht ein weiterer Mord, und die Beweise erinnern stark an die damalige Tat. Hat Kieran in geistiger Umnachtung etwa erneut zugeschlagen?

Das Wesentliche: Alles beginnt mit Kierans Rückkehr auf die Insel. Direkt zu Beginn muss er mit ansehen, wie ein alter Mann direkt einen Herzinfarkt erleidet, nur weil er in ihm den sogenannten „Broadford-Killer“ wiedererkennt. Und nicht nur der alte Mann hat Angst – auch seine Eltern wollen aufgrund seiner Vergangenheit nichts mehr mit ihm zu tun haben. Allein sein Bruder Paddy geht wieder einen Schritt auf Kieran zu und verschafft ihm seinen ersten Job in Freiheit: in der Talisker Whisky Destillerie, in der auch Paddy selbst arbeitet.

Doch der Mord an Kierans Freundin, der vor 20 Jahren geschah, bewegt noch immer die Gemüter der Inselbewohner. Jeder kennt die damalige Geschichte. Kieran wurde damals betrunken und bewusstlos auf seiner Freudin Allison liegend gefunden, die mit mehreren Messerstichen im Oberkörper getötet wurde. Die Details rund um die Tat selbst bleiben auch jetzt noch im Dunkeln, denn so sehr Kieran versucht, sich diese in Erinnerung zu rufen, es gelingt ihm einfach nicht. Deswegen zweifelt er selbst tief im Inneren seine Schuld an, kann aber gut verstehen, dass seine neuen Arbeitskollegen ihm nicht über den Weg trauen. 

So ist allein die junge Biologin Catriona MacDonald, die Kieran durch einen Zufall bewusstlos aus dem See – dem Loch Donvegan – gerettet hat, ein Lichtblick in dem schwierigen Unterfangen, wieder einem geregelten Leben nachzugehen. Die junge Frau ist jedoch die Tochter des Clanoberhauptes der MacDonalds, und es ist nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn ihre Angehörigen erführen, dass sie sich mit dem Broadford-Killer trifft.

So zieht sich durch den ganzen ersten Teil des Romans Kierans fast verzweifelter Versuch, wieder in einem geregelten Leben Fuß zu fassen. Immer wieder werden ihm Steine in den Weg geworfen, aber er rappelt sich auch immer wieder auf. Dabei ist bemerkenswert, wie sehr er sich trotz der langen Gefängnisjahre im Griff hat, wenn er entweder verbal oder tätlich angegriffen wird. Der Leser erkennt in Kieran einen ernsthaften Mann, der eigentlich keiner Fliege etwas zu Leide tun kann, sich lieber den Wind in langen Strandspaziergängen um die Nase wehen lässt, und ist somit recht schnell auf seiner Seite. Dementsprechend erkennt der Leser auch sehr zügig, dass Kieran damals nicht der Mörder gewesen sein kann. Aus dem Kreis der möglichen Verdächtigen kristallisierte sich in meinen Augen jedoch dann etwas zu schnell der wahre Täter heraus. 

Dem Lesegenuss tut das jedoch gar keinen Abbruch, denn als es zum zweiten Mord kommt und Kieran aufgrund der Indizien, die sehr stark an den damaligen Fall erinnern, erneut verdächtigt und festgenommen wird, hat man genug damit zu tun, um seine gerade erst wiedergewonnene Freiheit zu bangen. Zumal der zuständige Beamte, McGill, damals wie heute von Kierans Schuld überzeugt ist. 

Mir hat darüber hinaus sehr gefallen, wie Mara Laue die Verhaltensweisen in den schottischen Clans beschrieben hat – mir war gar nicht klar, dass diesen auch heute noch jeweils ein Anführer vorsteht, und habe die ganze Zeit bezweifelt, dass es in Wirklichkeit so ist, bis am Ende des Romans die jetzigen Clanführer der MacDonalds und MacKinnons namentlich benannt werden. Aber die Autorin erklärt nicht nur einige der schottischen Gebräuche, sondern lässt auch die gälische Sprache an vielen Stellen einfließen – damit wirkt die Geschichte sehr authentisch. 

Ich bin jedenfalls nur so durch die Seiten geflogen und habe dabei Mara Laues Handschrift, die mir ja aus „Die Smaragdjungfer“ schon bekannt war, wiedererkannt. Damals habe ich schon gesagt, dass das bestimmt nicht der letzte Roman war, den ich von Mara Laue gelesen habe, und nach der Lektüre von „Talisker Blues“ werde ich noch gezielter nach Krimis von ihr Ausschau halten. Mehr über Mara Laue erfährt man auf ihrer Website: http://www.mara-laue.de.

Auf der Website des Verlags kann man das Buch als Taschenbuchausgabe oder E-Book bestellen, und dort gibt es auch eine Leseprobe: www.goldfinchbooks.de/talisker-blues

Das Fazit: Ein interessant konstruierter Krimi von Mara Laue, der mich insbesondere aufgrund seiner sympathischen Hauptakteure durchgängig fesseln konnte. Allein die Tatsache, dass ich recht schnell den Kreis der Verdächtigen eingrenzen konnte, lässt mich einen Leselöwen abziehen.

Die Bewertung: 

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