Samstag, 12. Januar 2013

Rezension "Der letzte Zauberlehrling" von Gerd Ruebenstrunk

Spannender Zauber gegen alle Regeln


Gerd Ruebenstrunk
Der letzte Zauberlehrling

arsEdition

Hardcover
448 Seiten
Altersempfehlung des Verlags: ab 12 Jahre
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-7607-8679-7
16,99 EUR



Der Weg zu mir: Nachdem ich bereits „Rebellen der Ewigkeit“ von Gerd Ruebenstrunk (Rezi hier: klick) gelesen hatte, habe ich mich nur allzu gerne für dieses Buch Blogg dein Buch beworben. Und ich habe das zu keiner Zeit bereut! Vielen Dank daher erst einmal an Blogg dein Buch und arsEdition.

Der erste Satz: „Der letzte Tag meines alten Lebens begann nicht anders als ungezählte Tage vorher.“

Das Äußere: Unter einer Brücke durch geht ein Junge auf Paris zu – er hat einen Koffer in der Hand und scheint etwas zögernd auf einen neuen Abschnitt seines Lebens zuzugehen. Ein ohnehin schon schönes Motiv, das durch den silbern glänzenden Titel und zahlreiche glitzernde Sterne am Pariser Nachthimmel noch eindrucksvoller wird.

Das Innere: Humbert möchte Zauberer werden und für diesen Zweck die Zauberakademie besuchen. Lange Jahre war er bereits in der Ausbildung bei Gordius, einem Zauberer des fünften Grades. Um weiter zu kommen, muss er nun als nächsten Schritt bei einem Zauberer höheren Grades in die Lehre gehen. Da Gordius sein Ende nahen sieht, schickt er Humbert auf die Reise nach Paris, um dort auf dem alljährlichen Ball der Zauberer einen neuen Lehrer zu suchen. Humbert macht sich auf den Weg in die Großstadt, doch dort erwartet ihn Schlimmes: Pompignac, ein Pariser Unternehmer, ist dabei, die Zaubersprüche aller Zauberer aufzukaufen, um diese eigenständig vermarkten zu können. Ob Humbert dennoch einen neuen Lehrherrn finden und sich gegen die Machenschaften Pompignacs behaupten kann?

Das Wesentliche: Direkt zu Beginn des Romans wird Humbert von seinem alten Meister Gordius in das aufregende und auch gefährliche Leben der Pariser Großstadt katapultiert. Es ist schön zu lesen, wie sich Humbert nach und nach diese für ihn so neue Welt erobert. Er macht dabei nicht nur Bekanntschaft mit hilfsbereiten, angenehmen Zeitgenossen, sondern auch mit finsteren Gestalten und der Obrigkeit, die sich auf die Seite Pompignacs geschlagen hat.

Dieser Pompignac ist ein gefährlicher Mann: er hat es sich zum Ziel gemacht, alle Zaubersprüche einzusammeln, vorgeblich, um diese dadurch einem größeren Publikum zugänglich machen zu können. Das Vorhaben scheint auch zunächst zu gelingen, doch als Diebstähle mit Hilfe des Unsichtbarkeitszaubers und sprechende Haustiere auf den Straßen von Paris überhand nehmen, kommt auch in der Öffentlichkeit langsam Kritik gegen Pompignacs Unternehmen auf. Und Pompignac wäre nicht der Bösewicht im Roman, wenn er nicht noch Schlimmeres im Sinn hätte: er will die Welt beherrschen.

Da wird recht schnell klar, dass Humbert nicht nur ein einfacher Zauberlehrling bleiben und die Augen vor der Situation verschließen kann. Doch bis es so weit ist, muss Humbert sich erst selbst darüber klar werden, was ihm im Leben wichtig ist. Ich fand es sehr angenehm, dass er sich nicht sofort wie ein großer Held ins Abenteuer stürzt, sondern im Gegenteil erst einmal das Für und Wider abwägt.

Humbert und seine Freunde wurden in meinen Augen im Laufe des Buches zu einer überzeugenden Gemeinschaft. Ich vermute, das liegt an der geschickten Schreibweise des Autors, der die Dialoge so lebendig geschrieben hat, dass man sich fühlt, als wäre man selbst dabei. Dabei ist es jedoch bei weitem nicht so, dass die geschilderten Beziehungen zwischen den Protogonisten ohne Reibereien wären. Im Gegenteil: der eine oder andere aus Humberts Umfeld hat selbst ein Geheimnis in petto, das sich bis zum Ende des Romans auch nicht unbedingt vollständig lüftet.

Mein persönliches Highlight im Buch war Lothar, das einzige Werhörnchen seiner Art. Er ist eine eigentümliche Mischung aus Eichhörnchen, Känguru und Hund und kann natürlich sprechen. Einige Kapitel sind ausschließlich aus der Sicht von Lothar verfasst, was eine weitere Sicht auf die übrigen Protagonisten ermöglichte und mich die eine oder andere vorgefasste Meinung über den Haufen werfen lies.

Ich mag Bücher, in denen der Hauptcharakter sich weiterentwickelt. Und ich mag Bücher, in denen die Protagonisten nicht immer nur an einem Ort bleiben. Beides ist hier der Fall, und so wird die abenteuerliche Reise des jungen Humbert gleichzeitig zu einer Reise zu seiner eigenen Bestimmung – toll gemacht! Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der phantastische und abwechslungsreiche Abenteuergeschichten liebt – er wird hier nicht enttäuscht werden.

Das Fazit: Ein tolles Buch, ganz bestimmt nicht nur für Kinder ab 12 Jahren. Sympathische Charaktere, überzeugende Freundschaften und gefährliche Feindschaften sorgen neben einer äußerst angenehmen Schreibweise sorgen für ein gleichermaßen flüssiges wie spannendes Lesevergnügen.

Die Bewertung:


 

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