Mittwoch, 16. Januar 2013

Rezension "Verachtung" von Jussi Adler-Olsen


Das Sonderdezernat Q ermittelt wieder


Jussi Adler-Olsen
Verachtung
Der vierte Fall für das Sonderdezernat Q 
DTV Verlag

Hardcover
544 Seiten
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-423-28002-0
19,90 EUR



Der Weg zu mir: Dieses Buch habe ich mir aus der Bücherei ausgeliehen, denn nach den ersten drei Fällen für das Sonderdezernat Q war mir klar, dass ich der Reihe weiter folgen würde.

Der erste Satz:  „Fast hätte sie sich ganz diesem Gefühl hingegeben.“

Das Äußere: Auf dem Cover ist eine blutige Schere zu sehen – nicht unbedingt ein Indikator für den Inhalt des Buches, dennoch passt das Äußere zu den übrigen Romanen. Der einzige Nachteil: Dieser vierte Fall für das Sonderdezernat Q ist als Hardcover erschienen, die ersten drei Bücher jedoch nur als Klappbroschur in der DTV Premium-Ausgabe. Für Sammler ist dieser äußere Bruch im Bücherregal nicht ganz so schön.

Das Innere: Im Jahr 1987 sind sechs Personen vermisst gemeldet und nie gefunden worden – das Sonderdezernat Q rund um Carl Morck stößt durch Zufall auf das Verschwinden von Rita Nielsen, eine der verschwundenen Personen, und bringt diesen Fall mit den weiteren in Verbindung. Nete Hermansen ist die Frau im Zentrum dieser Vermisstenfälle, denn sie ist diejenige, die sich für ihre verdorbene Kindheit und Jugend an allen Beteiligten grausam rächt. Wird es Carl Morck und seinem kleinen Team im Jahr 2010 gelingen, alle einzelnen Puzzleteile so zusammenzutragen, dass sich ein Gesamtbild ergibt und Nete Hermansen im Nachhinein überführt werden kann?

Das Wesentliche: Das Buch überzeugt durch eine konsequente Handlungsführung – da sind einerseits Carl Morck und sein Team aus Rose und Assad, die den Geschehnissen der Vergangenheit nach und nach auf den Grund gehen. Auf der anderen Seite ist da Nete Hermansen, die Frau, die Rache nimmt an allen, die ihr in ihrem Leben ein Leid angetan haben. Der Leser weiß also bereits zu Beginn des Romans, wer die Täterin ist – eigentlich müsste ein solches Buch doch langweilig sein. Aber weit gefehlt: das geschickte Verweben der beiden Handlungsstränge – die Schilderungen von Netes Vergangenheit und ihren Morden mit den Ermittlungen von heute – machen die spezielle Spannung dieses Kriminalfalls aus.

Dabei ist das zugrunde liegende Thema kein Leichtes: die Entmündigung junger Frauen in Dänemark und die Einweisung in die Anstalt auf der Insel Sprongo im großen Belt. Themen wie Zwangssterilisation sind nicht nur im Deutschland des Dritten Reichs an der Tagesordnung gewesen, sondern tatsächlich auch in Dänemark, und das wohl bis in die 60er Jahre hinein. Dieser furchtbaren Situation ist auch Nete Hermansen ausgesetzt gewesen, so dass ihre Wut und ihre Rachegefühle gut nachvollziehbar sind, auch wenn man ihre Taten natürlich trotz allem nicht gutheißen kann. Nete ist ein verletzliches Mädchen, das erst als junge Frau gelernt hat, dass es auch Menschen gibt, die ihr wohlgesonnen sind – ihr Lebensweg wird vom Autor so spannend und gleichzeitig mit einer beklemmenden Unausweichlichkeit beschrieben, dass man an den Seiten klebt, obwohl die von Jussi Adler-Olsen servierte Lesekost durchaus nicht einfach zu verdauen ist.

Der Leser erfährt zudem auch in diesem vierten Fall wieder etwas mehr aus dem Privatleben von Carl Morck, der mit seinem Stiefsohn, seinem ehemaligen, aufgrund einer Schussverletzung gelähmten Arbeitskollegen und einem schwulen Mitbewohner zusammenlebt. Diese seltsame Wohngemeinschaft erweist sich in diesem Buch einmal mehr als eine Gruppe, die zwar irgendwie skurril erscheint, aber doch füreinander da ist, wenn es darauf ankommt.

Wer die vergangenen Fälle rund um das Sonderdezernat Q kennt, wird wissen, dass Carl Morck in Rose eine Mitarbeiterin mit einem begnadeten Händchen für detaillierte Recherchen hat und deswegen über das eine oder andere Geheimnis, das seine Mitarbeiterin umgibt, hinwegsieht. Assad, Carl Morcks Mitarbeiter ohne eigene Polizeimarke, ist auch in diesem Buch aufgrund seiner oft spontanen Ermittlungsaktivitäten wieder eine Überraschung. Assads Herkunft und Vergangenheit bleiben aber weiterhin im Dunkeln, so dass ich davon ausgehe, dass wir noch einige Fälle mit dem bewährten Team lesen werden.

Übrigens würde ich jedem empfehlen, der die Reihe noch nicht kennt, mit dem ersten Band „Erbarmen“ zu beginnen. Ich hatte das Gefühl, dass die Anspielungen auf die Vergangenheit der verschiedenen Hauptcharaktere in diesem Buch besser zu verstehen wären, wenn man die Vorgängerbücher kennt.

Das Fazit: Auch der vierte Fall für das Sonderdezernat Q besticht wieder durch eine überzeugende Handlungsführung. Trotz der Tatsache, dass der Täter bereits zu Beginn bekannt ist, gelingen Jussi Adler-Olsen auch hier einige Wendungen, mit denen der Leser niemals gerechnet hätte. Meisterhaft bringt der Autor alle Handlungsstränge so zusammen, dass sich ein rundes Bild ergibt – ein fabelhafter Kriminalroman.

Die Bewertung: 
 

Kommentare:

  1. Ich hab dich mal getaggt hoffe du machst mit:
    http://piasbuecherinsel.blogspot.de/2013/01/ich-wurde-getaggt.html

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, da mache ich gerne mit. Schöne Fragen hast du dir ausgedacht :-)

      Löschen
  2. Schöne Rezension, wollte das Buch schon länger mal lesen :D
    Muss man die in einer bestimmten Reihenfolge lesen oder kann man auch einfach so einsteigen?

    Lg
    Jessi
    http://jessireneleseratten.blogspot.de/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Jessi, am besten, du startest die Reihe von Anfang an. "Erbarmen" ist das erste Buch. Dann kannst du die Protagonisten von Anfang an besser kennenlernen und weißt auch besser einzuschätzen, was es bedeutet, wenn Morck sich für Assad oder Rose einsetzt oder warum sein ehemaliger Arbeitskollege nun gelähmt bei ihm zuhause wohnt.

      LG
      Sabine

      Löschen