Freitag, 8. Februar 2013

Rezension "Vakkum" von Antje Wagner


Unheimlicher Stillstand


Antje Wagner
Vakuum

Bloomsbury Verlag

Hardcover
365 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN 978-3-8270-5437-1
14,99 EUR


Der Weg zu mir: Ebenfalls ein Buch aus einer LovelyBooks-Leserunde, für die ich mich aufgrund des vielversprechenden Klappentextes beworben habe. Ich liebe einfach Bücher über Paralleluniversen. Diese Leserunde hat Antje Wagner selbst begleitet – die Leserkommentare hat sie sehr ernst genommen, und ihre Antworten waren sehr ausführlich und fundiert. Damit haben wir im Rahmen der Leserunde einen richtig guten Einblick in die Entstehung und die Hintergründe dieses Buches gewonnen – vielen Dank dafür!

Der erste Satz: „Die Sirene heulte los.“

Das Äußere: Das Hardcover-Buch zeigt auf dem Cover zwei schattenhafte Gestalten, die von einer Art Nebel umgeben sind. Im Hintergrund ist ein helles Licht zu sehen, das die Szene gespenstisch beleuchtet. Das Cover passt haargenau zum Inhalt, auch wenn es auf den ersten Blick unglaublich düster wirkt.

Das Innere: Fünf Jugendliche, jeder von ihnen hat ein anderes Ziel: da ist die scheinbar toughe und doch empfindsame Kora, die im Gefängnis sitzt und die Tage möglichst unbeschadet hinter sich bringen will, der gewissenhafte Hannes, der jeden Abend wie unter Zwang zu einem Golfplatz fährt, die kränkelnde Tamara, die ihre leiblichen Eltern sucht, und die Geschwister Alissa und Leon, die mit ihren Freunden eine Nacht draußen verbringen wollen. Alle geraten um genau 15:07 des 7. August in dieselbe gespenstische Situation: die Zeit bleibt stehen. Und aus dem Nebel kommt das Grauen…

Das Wesentliche: Fünf Jugendliche, und alle stehen aufgrund einer Situation in ihrer Vergangenheit irgendwie schräg im Leben. Direkt zu Beginn des Romans gibt uns Antje Wagner einen Einblick in jeden der Charaktere. Jeder der Fünf – Kora, Hannes, Tamara, Alissa und Leon – ist sehr fein gezeichnet, so dass man nach kurzer Zeit schon das Gefühl hat, sie sehr gut zu kennen. 

Jeder von ihnen hat ein großes Geheimnis, das sie zu dem gemacht hat, was sie heute sind. Im Laufe des Buches erfährt man als Leser natürlich mehr darüber, doch hier wird nie mit der Tür ins Haus gefallen, sondern erst nach und nach behutsam aufgedeckt, was den einzelnen ausmacht. Dies geschieht so professionell, dass man es fast nicht aushält eine der Personen wieder für ein paar Seiten verlassen zu müssen, um sich auf eine andere – auf den Folgeseiten – einzulassen.

Da ist z. B. direkt zu Beginn Kora, die für zwei Jahre im Jugendgefängnis in Schwäbisch Gmünd gefangen ist. Eindringlich schildert Antje Wagner, wie Kora die Zeit im Gefängnis empfindet. Man spürt förmlich, wie Kora die Decke auf den Kopf fällt und wie die Wände ihres Gefängnisses sich immer enger um sie schließen. Koras einziger Lichtblick ist neben ihrer Ausbildung zur Malerin und Lackiererin der tägliche Hofgang. Während einem dieser Hofgänge gerät Kora irgendwie zwischen die Zeit, und auf einmal sind alle um sie herum verschwunden.

Dies passiert nach und nach auch den anderen vier Jugendlichen. Daher umfasst der Einstieg in den Roman nicht nur die Einführung der Charaktere, sondern mit jeder Vorstellung kommt auch die seltsame Situation zwischen den Zeiten, also das Vakuum, ein Stück näher. Diese Art Vakuum hat mir beim Lesen immer wieder eine Gänsehaut verursacht. Allein die Vorstellung, dass auf einmal alle Lebewesen um einen herum verschwunden sind, ist ziemlich gruselig. Dabei erzeugt die Autorin aufgrund ihres an vielen Stellen sehr bildhaften Sprachstils zusätzlich eine enorm beklemmende Atmosphäre, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte.

Glücklicherweise treffen die Jugendlichen später aufeinander, wobei hier auf geheimnisvolle Weise jemand von außen die Hand im Spiel zu haben scheint. Mehr als einmal geraten die Fünf in eine gefährliche Situation, bis man als Leser total verwirrt ist und nicht mehr glaubt, dass sich die seltsamen Vorgänge überhaupt durch irgendetwas erklären lassen. Das fand ich richtig genial, und auch die Auflösung, von der ich natürlich nichts verraten werde, hat mir sehr gut gefallen.

Das Fazit: Ein grandioser Roman, sowohl von den Charakterzeichnungen als auch vom Handlungs- und Spannungsaufbau her. Antje Wagner zeichnet ein so faszinierendes wie auch verstörendes Bild eines Stillstands in der Zeit, dass der Leser in jeder Minute zwischen den Seiten des Buches gefangen ist. Ich bin sicher, auch ihr werdet nicht aufhören können zu lesen.

Die Bewertung: 

Kommentare:

  1. Wow eine schöne Rezi, die schon ziemlich neugierig macht! Das Buch wandert auf die Wunschliste! Danke :)

    LG Juju

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  2. Danke für deine Rezension! Bei der Leserunde wäre ich auch gern dabei gewesen, denn Vakuum steht schon seit seinem Erscheinen auf meiner Wunschliste... Ich denke, es könnte mir gefallen - ich liebe einfach Stories, die teils philosophisch angehaucht sind und Menschen in ganz ungewöhnliche Situationen werfen...
    Liebe Grüße
    Larissa

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  3. Ich kann das Buch wirklich empfehlen. Packt es ruhig auf eure Wunschlisten, das lohnt sich!

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  4. Das klingt sehr vielseitig :-)

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