Dienstag, 12. März 2013

Rezension "Die Verstummten" von Stephanie Fey


Spannender Thriller mit Geschichte


Stephanie Fey
Die Verstummten
Heyne Verlag
Taschenbuch
432 Seiten
Erscheinungsjahr: 2013
ISBN 978-3-453-40979-8
8,99 EUR




Der Weg zu mir: Nachdem ich davon gehört habe, dass die Autorin Stephanie Fey mit ihrem Vorgängerroman im letzten Jahr den Amazon Autorenpreis erhalten hat, habe ich nicht gezögert, als die Chance auf die Teilnahme an einer Leserunde für den Nachfolgeband der sog. „Elster-Reihe“ bei den Buchgesichtern bestand. Vielen Dank an den Heyne Verlag für das Leseexemplar und an Stephanie Fey für die Begleitung der Leserunde und die Beantwortung der Fragen.

Der erste Satz: „Das Gras raschelte, als Salamander sich vor den Gartenstuhl kniete und die Waffe ausrichtete.“

Das Äußere: Das Cover des Taschenbuchs zeigt das Gesicht einer Frau mit geschlossenen Augen. Es scheint fast, als würde ihr Gesicht hinter zersplittertem Glas zu sehen sein. Zwar hat das Bild in meinen Augen keinen direkten Bezug zum Inhalt des Buches, dennoch sieht man dem Buch auf den ersten Blick an, dass es sich hier um einen Thriller handeln muss.

Das Innere: Die Gerichtsmedizinerin Carina und ihr Vater, der Kriminalhauptkommissar Matte Kyreleis, sind im Auto unterwegs, als sie unverhofft einem Geisterfahrer ausweichen müssen. An Ort und Stelle leisten sie nach dem schweren Unfall dem jungen Geisterfahrer erste Hilfe. Als die beiden später die Eltern des jungen Mannes informieren möchten, trauen sie ihren Augen kaum, als sie das Ehepaar tot in ihrem Haus finden. Seltsamerweise sind beide gekleidet wie zu ihrer eigenen Hochzeit. Auf den ersten Blick scheint der Sohn seine eigenen Eltern auf dem Gewissen zu haben – aber womöglich steckt noch mehr dahinter…

Das Wesentliche: Der Leser wird in Stephanie Feys Thriller direkt mitten ins Geschehen mitgenommen. Carina hadert gerade mit ihrem Vater, denn augenscheinlich ist die Frau, die sie jahrelang für ihre Mutter gehalten hat, gar nicht mit ihr verwandt. Doch noch ehe diese Tatsache weiter ausgebaut wird, geschieht der Unfall, dem die beiden nur knapp entgehen, und die spannende Handlung rund um den Mord an den beiden Eltern des Geisterfahrers beginnt.
Und so folgt man im Verlauf der Handlung Carina sowohl auf den Spuren ihrer Herkunft als auch auf den Spuren des vorliegenden Verbrechens. Mir hat es gut gefallen, dass Carina und ihr Vater nicht nur im Rahmen der Ermittlungen miteinander agiert haben, sondern dass die persönliche Problematik der beiden parallel thematisiert wurde. Carina engagiert sich in beiden Themenfeldern auf eine nahezu verbissene Art und Weise – aber ihr Verhalten ist für den Leser jeweils verständlich aufbereitet, so dass man ihren Ermittlungen und Folgerungen nur allzu gerne folgt. 

Carina Kyreleis ist nicht nur Rechtsmedizinerin, sondern kann vor allem in ihrer Tätigkeit als Gesichtsrekonstrukteurin voll in ihrer Arbeit aufgehen. Ich hätte mich gefreut, wenn dieser Aspekt ihrer Arbeit noch mehr zum Ablauf der Handlung beigetragen hätte als es der Fall war. Der Beruf hat noch deutlich mehr Ausbaupotenzial, gerade in einer Thrillerhandlung. Ich hoffe, dass in den nächsten Romanen der Reihe noch mehr davon zu erfahren sein wird.
Ein toller Charakter ist auch Kriminalmeister Peter Schuster, ein Mitarbeiter von Matte. Er erscheint zunächst etwas schusselig, ist aber ein brillanter Kopf, der sich für den anderen einsetzt, wenn es darauf ankommt. Das hat mir gut gefallen! 

Zu Carinas Vater Matte hatte ich zu Beginn der Lektüre noch ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Mir war nicht klar, wieso und warum er Carina so ungern an seinen Ermittlungen teilhaben lässt, obwohl doch beide gemeinsam auf den Fall gestoßen sind. Zum Ende hin habe ich aber meine Sympathie auch für Matte entdeckt, der als Kriminalhauptkomissar einfach auch ein paar „Baustellen“ in der Vergangenheit hat, die man zu Anfang noch nicht vollständig versteht. 

Überhaupt ist der Roman voll von einzelnen, auch zeitlich unterschiedlichen Handlungssträngen, denen der Leser aufmerksam folgen sollte - aber Vorsicht: auch dann ist er nicht gefeit vor falschen eigenen Schlussfolgerungen, die den Verlauf der Handlung so spannend machen. Ich bin auf jeden Fall mehr als einmal auf der falschen Spur gewesen. Gewürzt wird die fiktive Handlung übrigens dadurch, dass sie eingebettet ist in die wahre Geschichte eines Mordanschlags der Rote-Armee-Fraktion. Damit wirkt der Roman gleich noch ein ganzes Stück authentischer und nachvollziehbarer.

Dass ich den ersten Teil der „Elster-Reihe“, „Die Gesichtslosen“, bisher nicht kenne, hat der Lektüre übrigens nicht geschadet. Zwar gibt es ein paar Stellen, an denen eine Erläuterung hilfreich gewesen wäre – aber die Lücken sind für den Verlauf der Handlung nicht so wesentlich, dass man den Faden nicht ohne Probleme wieder aufgreifen könnte. Auf jeden Fall hat mir dieses Buch Lust darauf gemacht, auch den Vorgängerroman noch zu lesen, für den die Autorin letztes Jahr – 2012 – den Amazon-Autorenpreis einheimsen konnte.

Das Fazit: Ein spannender Kriminalroman, bei dem der Leser sich nicht zu sicher sein darf – er wird überrascht werden. Mir haben die spannende, flüssige Handlung und die vielschichtigen Charaktere gut gefallen. Ein tolles Buch, das auch gut zu lesen ist, wenn man den ersten Band der Reihe nicht kennt.

Die Bewertung: 

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