Donnerstag, 4. April 2013

Rezension „Pandämonium – Die letzte Gefahr“ von Alexander Odin


Beklemmende Endzeit-Theorie

Alexander Odin
Pandämonium – Die letzte Gefahr
Bastei Lübbe
Taschenbuch
413 Seiten
Erscheinungsjahr: 2013
ISBN 978-3-404-16741-8
8,99 EUR



Der Weg zu mir: Pandämonium ist für eine LovelyBooks-Leserunde zu mir gelangt. Glücklicherweise, muss ich sagen, denn das Thema Endzeitthriller „Made in Germany“ hat nicht zu viel versprochen. Vielen Dank also an Bastei Lübbe und auch an Alexander Odin für die Begleitung der Runde.

Der erste Satz: „Gestern warst du noch ein Vater von zwei hübschen Töchtern und bist jeden Sonntag mit deiner Familie in die Kirche gegangen.“

Das Äußere: Endzeit „Made in Germany“ – das sieht man schon auf den ersten Blick am eindrucksvollen Cover. Im Hintergrund die Skyline von Berlin, schiefe Strommasten entlang der Straße und im Vordergrund ein Auto, das auf dem Dach liegt. Eine junge Frau bewegt sich in diese gruselige Szenerie hinein – vermutlich die 16-jährige Naomi, eine der Hauptfiguren des Romans. Das Cover hat bei mir sofort erste Assoziationen zum Inhalt geweckt.

Das Innere: In einer Berliner Plattenbau-Siedlung ereignet sich Furchtbares. Naomi, die 16-jährige Hauptprotagonistin, bekommt hautnah mit, wie ihre Nachbarin Johanna Wedekind scheinbar grundlos von einer Krankheit befallen wird und im Zoo die Tiere anfällt. Doch die Nachbarin bleibt nicht das einzige Opfer.  Dennoch wird zunächst der Plattenbau unter Quarantäne gestellt – völlig unabhängig davon, wer sich gerade darin und wer sich außerhalb befindet. Mit ihrem todkranken Nachbarn Sigmund Witter verschanzt sie sich vor den drohenden Gefahren – nicht ahnend, dass das Virus Ihnen bereits sehr nah gekommen ist…

Das Wesentliche:  Was für eine Vorstellung – ein todbringendes Virus breitet sich in Berlin aus! Mit dieser Idee spielt Alexander Odin in seinem Debutroman. Dabei geht er über die reinen Fakten hinaus und bringt auch übersinnliche Elemente ins Spiel - doch dazu später mehr.

Zunächst ein kurzer Blick auf die Protagonisten dieses Romans. Im von der Außenwelt abgeschotteten Berliner Plattenbau finden sich ganz unterschiedliche Persönlichkeiten zu einer Art Zwangsgemeinschaft zusammen: Da ist die junge Naomi, erst 16 Jahre alt, die noch mit dem kürzlichen Tod des Vaters zu kämpfen hat und am liebsten die Zeit damit verbringt, die Nachbarn durch ein Fernglas zu beobachten. Das ist ihr Weg, eine Distanz zum wirklichen Leben zu wahren. Einziger Vertrauter Naomis ist ihr Schulkamerad Rafael - zu Beginn des Romans befindet er sich noch außerhalb des Plattenbaus, genau wie Naomis Mutter. 

Das Kontrastprogramm zu Naomi bildet der Kriminelle Jimmy K., der seine Tage mit dem Drogenhandel zubringt und dem mehr am Herzen liegt, seine Handelswaren in Sicherheit zu bringen, als sein Leben (geschweige das seiner Mitbewohner) zu schützen. Und es gibt noch Paul Cancic, ehemaliger Mitarbeiter einer Werbeagentur, der gnadenlos abgestürzt ist und seine alkoholschwangeren Tage damit verbringt, für die Postbotin zu schwärmen.

Und dann ist da noch der totkranke Sigmund Witter - ein Gehirntumor wird über kurz oder lang seinem Leben ein Ende setzen. Doch interessanterweise scheint die Krankheit einen Kanal im Gehirn zu öffnen, der es dem alten Mann möglich macht, eine Art Aura um die Menschen zu sehen. Und hier beginnt der übersinnliche Teil - denn diese Aura besteht zum Teil aus schwarzen Wolken, die einige Menschen förmlich zu verschlingen scheinen. Das Virus ist also mit den entsprechenden Fähigkeiten durchaus sichtbar, was ich für eine tolle Idee halte - denn damit wird die rein medizinische Seite des Virus aufgebrochen und in eine weitere Erzähldimension gehoben. 

Sehr beklemmend wird die Abriegelung des Plattenbaus beschrieben: das Gebäude wird förmlich mitsamt seinen Bewohnern eingemauert. Natürlich ist das Virus sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gebäudes längst präsent - wenn mit der Quarantäne dem Virus Einhalt geboten werden könnte, wäre der Sinn des Romans ja auch ad absurdum geführt.

Im Laufe des Romans wird klar, dass das Virus seinen Ausgangspunkt an einer Stelle hat, mit der ich persönlich nicht gerechnet habe. Hier gibt es erschreckende Parallelen zur Realität, die in meinen Augen gar nicht mal so weit hergeholt sind - doch dazu möchte ich lieber nicht zuviel verraten.

Dem zusammengewürfelten Haufen Menschen auf dem verzweifelten Weg in eine gefahrfreie Zone zu folgen, hat mich im Laufe des Thrillers enorm mitgenommen. In jeder Leseminute war ich nah an der Story und fühlte mich fast wie in einem amerikanischen Endzeit-Film - und bin doch ständig konfrontiert worden mit neuen und überraschend erschreckenden Szenen, in denen nicht wenig Blut gespritzt ist. Einige zu Herzen gehende Szenen konnte ich auch miterleben - und es wird niemanden erstaunen, wenn ich sage, dass nicht alle der oben vorgestellten Personen unbeschadet ans Ende des Romans gelangen werden.

Ich habe den Debutroman von Alexander Odin alles in allem als ein vorzügliches Exemplar des dystopischen Genres kennengelernt. Daher hat es mich auch gefreut zu hören, dass es mehr davon geben wird. Ich werde definitiv nach Teil 2 Ausschau halten!

Das Fazit: Gekonnt spielt Alexander Odin mit den Nerven seiner Leser, indem er sie die Verbreitung des Virus innerhalb Berlins und darüber hinaus beklemmend realistisch miterleben lässt. Die zum Teil horrorartigen Szenen machen das Buch dabei ganz deutlich zu einem Buch, das eher für Erwachsene geeignet ist. Das ist echte Endzeit ohne Kitsch – und in meinen Augen auf jeden Fall ein spannendes Leseerlebnis.

Die Bewertung: 

Kommentare:

  1. Ich habe mir jetzt mal nur dein Fazit durchgelesen weil das Buch auch noch auf meiner WUnschliste steht. Aber toll dass es dir gefallen hat.
    Mal n bisschen was ohne Kitsch ist ja auch mal ganz nett. Ich denke ich werde es erstmal weiterhin beobachten.

    LG
    Iris

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  2. Tolle Renzension, das Buch hört sich echt toll an, werd es glaube auch lesen, werde deinem Blog mal folgen.

    Jessi
    http://jessireneleseratten.blogspot.de/

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