Donnerstag, 2. Mai 2013

Rezension "Das Nebelhaus" von Eric Berg

Kriminalistisches Bravourstück in rauer Umgebung



Eric Berg
Das Nebelhaus
Taschenbuch
416 Seiten
Erscheinungsjahr: 2013
ISBN 978-3-8090-2515-5
14,99 EUR



Der Weg zu mir: Dieses Buch habe ich für eine Leserunde bei LovelyBooks erhalten. Mich hat es gereizt, in Erfahrung zu bringen, welcher Autor hier wohl unter Pseudonym schreiben mag. Doch dazu später mehr - zunächst erst einmal herzlichen Dank an den Limes Verlag und an LovelyBooks - und natürlich auch an Eric Berg für die Begleitung der Leserunde.

Der erste Satz: Drei Tote und ein Komapatient, das war die Bilanz der "Blutnacht von Hiddensee", die die Ostseeinsel zwei Jahre zuvor erschüttert hatte.

Das Äußere: Eine urwüchsige Dünenlandschaft, ein Haus am Ende eines schmalen Pfades, das ist schon mal ein tolles Motiv für die Umgebung, in der der Roman vorrangig spielt: die Ostseeinsel Hiddensee.

Das Innere: Als sich vor zwei Jahren eine Gruppe alter Freunde das erste Mal wiedergesehen hat, konnte niemand vorausahnen, was geschehen würde. Das Ergebnis des Wiedersehens: ein Blutbad, bei dem mehrere Personen zu Tode gekommen sind. Nun versucht die Journalistin Doro Kagel für ihren Artikel der Sache auf den Grund zu gehen. Ihre Recherche wühlt mehr auf, als zu erwarten war - und ein kriminalistisches Bravourstück beginnt.

Das Wesentliche: Doro Kagel, eine Journalistin von etwas über 40, hat sich in ihrem Leben und mit ihrer Arbeit eingerichtet. Dass ihr Leben deswegen auch etwas zu gleichförmig verläuft, blendet sie meistens aus. Bis der Fall "Blutnacht von Hiddensee" dazu führt, dass sie ihre gewohnten Pfade verlässt und sowohl auf professioneller als auch auf emotionaler Ebene ihre eigenen Grenzen überschreitet. Als sie Yim begegnet, einem der Beteiligten des damaligen Kriminalfalls, lässt sie sich auf mehr ein, als sie selbst von sich erwartet hätte. Doro war mir als Protagonistin durchgängig sympathisch, nicht zuletzt, da sie ihre Recherchen mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl vorangetrieben hat.

Regelmäßig wechselt die Erzählperspektive von Doro Kagel - hier in der Ich-Form geschrieben - zu den Geschehnissen in der Vergangenheit. Immer, wenn es gerade unglaublich spannend wird, muss man die Szenerie jedoch wieder verlassen. Das war für mich als Leserin nahezu unerträglich, ich habe jeweils förmlich aufgeschrien, wenn ich die Szene wieder verlassen musste. Glücklicherweise wurde dies abgemildert durch eine recht faszinierende Erzählweise: die Situation, die man gerade verlassen hat, wird nämlich in der jeweils anderen Zeitschiene wieder aufgegriffen. So hatte ich kontinuierlich einen roten Faden in der Handlung, der diese Überleitungen einfacher gemacht hat.

Die Geschehnisse in der Vergangenheit drehen sich um die Jugendfreunde Timo, Philipp, Yasmin und Leonie. Sie haben sich lange aus den Augen verloren und sehen sich erstmals auf Hiddensee wieder. Jeder der Beteiligten hat natürlich seit der Jugendzeit ganz verschiedene Erfahrungen gemacht, und so treffen Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch nach und nach deckt Eric Berg mit die Geheimnisse eines jeden ganz erbarmungslos auf - und dies macht er so geschickt, dass bis fast ganz zum Schluss nicht klar ist, wer denn nun eigentlich am Ende ums Leben gekommen ist und wer das furchtbare Verbrechen begangen hat.

Die Insel Hiddensee - und das sogenannte Nebelhaus, die Heimat von Philipp, Vev und deren gemeinsamer Tochter Clarissa - passen unglaublich gut zu der beklemmenden Handlung. Die raue, immer überraschende, aber vielfältige Natur auf der Insel spiegelt sich in den Charakteren wieder, die manches Mal ebenso zerrissen wirken. Ein gut ausgewählter Schauplatz!

Eric Berg ist übrigens das Pseudonym von Eric Walz, der als Autor historischer Romane bekannt ist. Er hat für diesen Roman ein Pseudonym gewählt, um auch hier den Genrewechsel deutlich zu machen. Ich habe bislang noch keinen seiner zahlreichen historischen Romane gelesen, werde das aber bei nächster Gelegenheit nachholen.

Das Fazit: Ein grandios spannender Kriminalroman, der bis zum Ende Überraschungen birgt. Ein echtes Highlight, das ich jedem uneingeschränkt ans Herz legen kann - so einen genial konstruierten Plot habe ich lange nicht mehr gelesen. Volle Löwenzahl für dieses Buch!

Die Bewertung: 


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