Sonntag, 28. September 2014

Wölkchens Freitags Fragen #64

Hallo ihr Lieben,

Wölkchens Fragen von vergangenen Freitag finde ich wieder toll, also mache ich gerne wieder mit. Es handelt sich übrigens um eine Aktion auf der Seite von Wölkchens Bücherwelt, an der jeder mitmachen kann.



Bücherfrage: Schreibst du Rezensionen zu Büchern? Lässt du dich von Rezensionen beeinflussen?
Jepp, klar schreibe ich Rezensionen. Aus zeitlichen Gründen nicht immer so viele wie ich gerne möchte, aber es macht mir immer wieder Spaß. Und natürlich lese ich sie auch gerne auf anderen Blogs, wobei ich aber auch häufig Angst davor habe, mich zu spoilern. Bei dieser Gelegenheit ein Tipp: Wo man definitiv nie gespoilert wird, das ist auf Kossis Bücherwelt. Kossi schafft es immer wieder mich dermaßen neugierig auf ein Buch zu machen, dass ich kaum an mich halten kann, es nicht sofort zu bestellen. Zuletzt ging mir das so bei ihrer Videorezension zu Guillaume Mussos "Vielleicht morgen", hier zu finden auf ihrem Blog bzw. auf Youtube: klick.

Private Frage: Abgesehen von Bücherblogs, welche Blogs liest du noch?
Ich liebe alle Blogs rund um Interior Design und Handarbeiten, so z. B. Luzia Pimpinella, wahrscheinlich weil ich selbst nicht so viel Zeit habe, mich in diesem Themenbereich selbst auszutoben. Vor einiger Zeit habe ich außerdem verschiedene Organisationsblogs entdeckt, z. B. diesen deutschen Blog hier: relleoMein. Heike veröffentlicht neben ihren Organisations- und Aufräumthemen auch immer schöne Rezepte und Bilder. Vielleicht mache ich mal eine kleine Liste meiner liebsten Blogs außerhalb der Bücherwelt, bestimmt habe nicht nur ich Spaß daran, mal über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Wölkchens Freitags Fragen ist eine Aktion von Wölkchens Bücherwelt.

Eure LeseMaus

Dienstag, 9. September 2014

Rezension "Die Stunde der Lilie" von Sandra Regnier


Charmante Zeitreisegeschichte mit Herz und Verstand

 
Sandra Regnier
Die Lilien-Reihe, Band 1:
ISBN: 978-3-646-60073-5
362 Seiten
4,99 €
Erscheinungstermin: August 2014
Exklusiv als E-Book erschienen

 
 
Der Weg zu mir: Zeitreise im Roman - da gibt es für mich kein Halten mehr. So habe ich auch hier liebend gerne die Leseprobe bei http://www.vorablesen.de/ konsultiert, nur um festzustellen, dass dies ein Buch ist, das auf meine Leseliste MUSS. Ich bedanke mich herzlich beim Carlsen Verlag und bei Vorablesen für die Möglichkeit, das Leseexemplar rezensieren zu dürfen. 

Der erste Satz: "Mit Kraft umfasste der Mann das Handgelenk der Frau."

Das Äußere: Das Cover des E-Books ziert zunächst eine Lilie - aber auch zugleich mehrere Lilien in Form des sogenannten Königs-Symbols. Ich hatte direkt den Eindruck dass die weiße Lilie, die echte Blume, für Julia, die Hauptprotagonistin steht, während die Symbolik der Königsblume drauf hinweist, in welchem Umfeld sich Julia bewähren muss. Sehr passend für den Roman und durch den verschnörkelten Titel zusätzlich auch romantisch. Gefällt mir!  
 
Das Innere: Julia mag es gar nicht glauben: auf unbekanntem Wege ist sie während eines Reitausflugs mit ihrer Freundin nach Frankreich gelangt, und zwar in die Nähe von Versailles an den Hof von König Ludwig X.IV Unversehens stolpert sie, das junge Mädchen aus  dem Deutschland des 21. Jahrhunderts, in eine ihr unglaublich fremde Welt. Glücklicherweise hat der König die rettende Idee, ihr in Form des Grafen Etienne Flémont, den Grafen von Montsauvan einen einen Lehrer zuzuteilen, der ihr Anstand und Benimm beibringen soll. Und so ist Julias Alltag auf einmal ganz anders als sie es gewohnt ist...
 
Das Wesentliche: Die Geschichte beginnt im Deutschland der Gegenwart. Julia ist eine ganz normale 16-jährige, in deren Leben es sich hauptsächlich um ihre Familie, die Freunde und die Schule dreht. Geschichte findet sie toll, während ihre Französisch-Note ihr eher Kopfzerbrechen bereitet. Nach dem Zeitsprung muss sich Julia nun unversehens damit auseinandersetzen, in ein anderes Land und in eine andere Zeit versetzt worden zu sein. Natürlich kommt ihr zugute, dass sie in der Schule ein Faible für Geschichte hatte - so ist sie in der Lage, die eine oder andere Situation aus dem Blickwinkel ihres Zukunftswissens zu beurteilen. Dadurch stapft Julia aber auch in den einen oder anderen Fettnapf, denn es rutscht ihr mehr als einmal eine unbedachte Äußerung heraus, die ihr seltsame Blicke der Umstehenden einbringen. 
 
Mir ist die Protagonistin fast ein wenig zu selbstsicher gewesen. Immerhin ist Julia erst 16 Jahre alt. Davon merkt man aber manchmal fast nichts, so routiniert selbstbewusst gibt sie sich in den meisten Szenen. Natürlich bleibt ihr fast nichts anderes übrig, gestrandet in der Zeit, aber dennoch hätte es mir etwas besser gefallen, wenn sich Julia ihrem Alter entsprechend häufiger nach ihrem Zuhause, ihrer Familie und ihren Freunden gesehnt oder auch mehr Versuche unternommen hätte, in ihre eigene Welt zurückzukehren. Natürlich bleibt uns so andererseits noch Stoff für den (oder die?) nächsten Teile der Reihe.
 
Der Graf von Montsauvan ist zunächst einmal jünger als es scheint und von daher liegt es nahe, an eine Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten zu denken. Der Graf ist aber nicht die einzige männliche Person, die im Laufe der Geschichte auftaucht, und so muss sich hier jeder Leser natürlich selbst ein Bild machen. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber betonen, wie gut mir gefallen hat, dass die Autorin hier der Handlung den Fokus gegeben hat, was ein deutliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem einen oder anderen Roman für diese Altersklasse ist.  
 
Julia strandet am Hofe des Sonnenkönigs - hier finden sich viele geschichtlich belegte Begebenheiten, die Sandra Regnier geschickt in die Handlung eingewoben hat. Wie sie selbst im Nachwort zugibt, nicht immer vollständig chronologisch korrekt, aber dafür in die Story passend. Ein Geschichtsexperte mag sich daran eventuell stören, für mich persönlich war das nicht so relevant. Wichtiger ist mir gewesen, dass der Handlungsrahmen als solcher glaubhaft dargestellt ist. Hierfür hat Sandra Regnier verschiedene Briefe der Marquise de Sévigné in das Buch eingestreut. Die Marquise, mit der Julia im Roman das eine oder andere Gespräch führen durfte, ist eine historisch belegte Persönlichkeit, deren Briefe als Klassiker der französischen Literatur verstanden werden. Das Einstreuen dieser Briefe ist ein schöner Kunstgriff, der mir gut gefallen hat. 
 
Bislang habe ich noch nichts von Sandra Regnier gelesen. Nachdem ich nun "Die Stunde der Lilie" lesen durfte, bin ich überzeugt, dass ich ab sofort die Augen aufhalten werde, wenn etwas Neues von der Autorin erscheint. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, die Augen fliegen nur so über die Seiten. Ich freue mich bereits auf den nächsten Teil der Reihe, der im Januar 2015 erscheinen soll! 
 
Das Fazit: Eine herrliche Zeitreisegeschichte mit vielfältigen Charakteren. Eine starke Hauptfigur, die sich in einem anderen Land unter Fremden bewähren muss. Zwei Männer, die in Julias Leben eine Rolle spielen könnten. Meine Empfehlung für Freunde von Jugendbüchern, in denen es auch mal historisch zugehen darf. 
 
Die Bewertung: 

Montag, 1. September 2014

Rezension "Elf Meter" von Kathrin Schachtschabel

Unübersichtlich viele Frauen nehmen ihr Leben selbst in die Hand


Kathrin Schachtschabel 
Elf Meter 
Gmeiner Verlag
ISBN: 978-3-7349-9246-9 
6,99 € 
Erscheinungstermin: Mai 2014 
- exklusiv als E-Book erschienen -



Der Weg zu mir: Ich habe das E-Book im Rahmen der Leserunde bei LovelyBooks erhalten und bedanke mich herzlich beim Gmeiner Verlag und bei der Autorin Kathrin Schachtschabel für die intensive Begleitung der Leserunde.

Der erste Satz: "Mit einem Schlag hatte der Gesangsverein in Lürig 18 Mitglieder weniger."

Das Äußere: Das E-Book hat ein verheißungsvolles Cover: Es zeigt nur einen Teil einer energisch wirkenden Frau im Kittel mit einem Rechen in der Hand. Schade, dass man ihr Gesicht nicht sehen kann, wahrscheinlich würde ihr die Tatkraft schon aus den Augen strahlen. So aber kann man nur erahnen, was die Dame mit dem Rechen noch so Gefährliches vor hat...

Das Innere: Das kleine Eifeldorf Lürig wird von einem schlimmen Schicksalsschlag erschüttert: Auf der Fahrt zu einem Fußballspiel des 1. FC Köln kommt nahezu die gesamte männliche Bevölkerung des Dorfes bei einem Busunfall ums Leben. Schlagartig müssen die hinterbliebenen Frauen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Nur Heidrun muss sich weiterhin mit ihrem Mann Peter herumärgern, weil der gar nicht mitgefahren ist - ob ihr dazu nicht etwas einfallen wird?

Das Wesentliche: Im Prolog erzählt der junge Hein Badony, einziger Überlebender des schweren Busunglücks, in der Retrospektive von den Geschehnissen vor und während der Busfahrt. Von hier aus hätte die Geschichte nun schnell Fahrt aufnehmen sollen - doch bevor es überhaupt losgeht, werden sage und schreibe 15 Haupt-, 41 (!) Nebenfiguren und 5 Randfiguren in einem umfassenden Personenverzeichnis vorgestellt. Da habe ich direkt ein wenig Angst bekommen, zumal das Hin- und Herblättern in einem E-Book nicht ganz so schnell geht, wenn man doch mal nachsehen muss, welche Person gerade die Handlung anführt.

Aufgrund der hohen Personenzahl war es dann auch gar nicht so einfach, im Roman Fuß zu fassen. Immer wenn ich gerade eine Art von Beziehung zu einer der Personen aufbauen wollte, ging die Handlung mit einer anderen Person schon weiter. Dabei mochte ich zum Beispiel Karin Brücker, Frau des Dorfarztes und ebenfalls Medizinerin, recht gern. Sie hat versucht, ihre Trauer durch Aktivität in den Griff zu bekommen - die Frauen des Dorfes brauchten ja schließlich auch nach dem Tod von Dr. Peter Bauer weiterhin einen Arzt.

Die Schicksale der übrigen Hauptpersonen gingen leider im Gemengelage ziemlich unter. Wieso Heidrun Bauer denn nun so unbedingt ihren Mann Peter loswerden wollte, ist mir die ganze Zeit über nicht so recht klar geworden. Wenn Heidrun nun aber wenigstens etwas energischer versucht hätte, ihren Mann los zu werden, hätte sich hier die eine oder andere Quelle für humoristischere Handlungen ergeben können.

Eigentlich habe ich mich sehr auf das Buch gefreut. Ich war fest davon überzeugt, dass ich hier einen unterhaltsamen Frauenroman mit einer guten Portion schwarzen Humors finden würde. Leider gab es aber für meinen Geschmack viel zu viele Charaktere, die auf zu viele verschiedene Arten mit dem Tod ihrer Männer fertig zu werden versuchten. Dass die Frauen überhaupt getrauert haben, ist in meinen Augen zu sehr im Hintergrund geblieben. Selbst bei einem Fokus auf schwarzem Humor muss für mich ein Ansatz für Glaubwürdigkeit erkennbar sein, damit ich in den Roman gut einsteigen kann.

Karin Schachtschabels Schreibstil hingegen hat mir gut gefallen. Sehr flüssig geschrieben, kommen einige der Damen ländlich-ruppig rüber und wirken somit doch recht authentisch. Ich kann mir gut vorstellen, es noch einmal mit einem anderen Roman der Autorin zu versuchen.

Das Fazit: Für mich persönlich waren es ein paar zu viele Charaktere, was dazu geführt hat, dass die Handlung aufgrund der vielen Szenen- und Protagonistenwechsel sehr in den Hintergrund trat. Das Buch hat mich daher leider nicht überzeugen können, obwohl der Schreibstil viel Potenzial hat.

Die Bewertung: