Dienstag, 9. September 2014

Rezension "Die Stunde der Lilie" von Sandra Regnier


Charmante Zeitreisegeschichte mit Herz und Verstand

 
Sandra Regnier
Die Lilien-Reihe, Band 1:
ISBN: 978-3-646-60073-5
362 Seiten
4,99 €
Erscheinungstermin: August 2014
Exklusiv als E-Book erschienen

 
 
Der Weg zu mir: Zeitreise im Roman - da gibt es für mich kein Halten mehr. So habe ich auch hier liebend gerne die Leseprobe bei http://www.vorablesen.de/ konsultiert, nur um festzustellen, dass dies ein Buch ist, das auf meine Leseliste MUSS. Ich bedanke mich herzlich beim Carlsen Verlag und bei Vorablesen für die Möglichkeit, das Leseexemplar rezensieren zu dürfen. 

Der erste Satz: "Mit Kraft umfasste der Mann das Handgelenk der Frau."

Das Äußere: Das Cover des E-Books ziert zunächst eine Lilie - aber auch zugleich mehrere Lilien in Form des sogenannten Königs-Symbols. Ich hatte direkt den Eindruck dass die weiße Lilie, die echte Blume, für Julia, die Hauptprotagonistin steht, während die Symbolik der Königsblume drauf hinweist, in welchem Umfeld sich Julia bewähren muss. Sehr passend für den Roman und durch den verschnörkelten Titel zusätzlich auch romantisch. Gefällt mir!  
 
Das Innere: Julia mag es gar nicht glauben: auf unbekanntem Wege ist sie während eines Reitausflugs mit ihrer Freundin nach Frankreich gelangt, und zwar in die Nähe von Versailles an den Hof von König Ludwig X.IV Unversehens stolpert sie, das junge Mädchen aus  dem Deutschland des 21. Jahrhunderts, in eine ihr unglaublich fremde Welt. Glücklicherweise hat der König die rettende Idee, ihr in Form des Grafen Etienne Flémont, den Grafen von Montsauvan einen einen Lehrer zuzuteilen, der ihr Anstand und Benimm beibringen soll. Und so ist Julias Alltag auf einmal ganz anders als sie es gewohnt ist...
 
Das Wesentliche: Die Geschichte beginnt im Deutschland der Gegenwart. Julia ist eine ganz normale 16-jährige, in deren Leben es sich hauptsächlich um ihre Familie, die Freunde und die Schule dreht. Geschichte findet sie toll, während ihre Französisch-Note ihr eher Kopfzerbrechen bereitet. Nach dem Zeitsprung muss sich Julia nun unversehens damit auseinandersetzen, in ein anderes Land und in eine andere Zeit versetzt worden zu sein. Natürlich kommt ihr zugute, dass sie in der Schule ein Faible für Geschichte hatte - so ist sie in der Lage, die eine oder andere Situation aus dem Blickwinkel ihres Zukunftswissens zu beurteilen. Dadurch stapft Julia aber auch in den einen oder anderen Fettnapf, denn es rutscht ihr mehr als einmal eine unbedachte Äußerung heraus, die ihr seltsame Blicke der Umstehenden einbringen. 
 
Mir ist die Protagonistin fast ein wenig zu selbstsicher gewesen. Immerhin ist Julia erst 16 Jahre alt. Davon merkt man aber manchmal fast nichts, so routiniert selbstbewusst gibt sie sich in den meisten Szenen. Natürlich bleibt ihr fast nichts anderes übrig, gestrandet in der Zeit, aber dennoch hätte es mir etwas besser gefallen, wenn sich Julia ihrem Alter entsprechend häufiger nach ihrem Zuhause, ihrer Familie und ihren Freunden gesehnt oder auch mehr Versuche unternommen hätte, in ihre eigene Welt zurückzukehren. Natürlich bleibt uns so andererseits noch Stoff für den (oder die?) nächsten Teile der Reihe.
 
Der Graf von Montsauvan ist zunächst einmal jünger als es scheint und von daher liegt es nahe, an eine Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten zu denken. Der Graf ist aber nicht die einzige männliche Person, die im Laufe der Geschichte auftaucht, und so muss sich hier jeder Leser natürlich selbst ein Bild machen. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber betonen, wie gut mir gefallen hat, dass die Autorin hier der Handlung den Fokus gegeben hat, was ein deutliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem einen oder anderen Roman für diese Altersklasse ist.  
 
Julia strandet am Hofe des Sonnenkönigs - hier finden sich viele geschichtlich belegte Begebenheiten, die Sandra Regnier geschickt in die Handlung eingewoben hat. Wie sie selbst im Nachwort zugibt, nicht immer vollständig chronologisch korrekt, aber dafür in die Story passend. Ein Geschichtsexperte mag sich daran eventuell stören, für mich persönlich war das nicht so relevant. Wichtiger ist mir gewesen, dass der Handlungsrahmen als solcher glaubhaft dargestellt ist. Hierfür hat Sandra Regnier verschiedene Briefe der Marquise de Sévigné in das Buch eingestreut. Die Marquise, mit der Julia im Roman das eine oder andere Gespräch führen durfte, ist eine historisch belegte Persönlichkeit, deren Briefe als Klassiker der französischen Literatur verstanden werden. Das Einstreuen dieser Briefe ist ein schöner Kunstgriff, der mir gut gefallen hat. 
 
Bislang habe ich noch nichts von Sandra Regnier gelesen. Nachdem ich nun "Die Stunde der Lilie" lesen durfte, bin ich überzeugt, dass ich ab sofort die Augen aufhalten werde, wenn etwas Neues von der Autorin erscheint. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, die Augen fliegen nur so über die Seiten. Ich freue mich bereits auf den nächsten Teil der Reihe, der im Januar 2015 erscheinen soll! 
 
Das Fazit: Eine herrliche Zeitreisegeschichte mit vielfältigen Charakteren. Eine starke Hauptfigur, die sich in einem anderen Land unter Fremden bewähren muss. Zwei Männer, die in Julias Leben eine Rolle spielen könnten. Meine Empfehlung für Freunde von Jugendbüchern, in denen es auch mal historisch zugehen darf. 
 
Die Bewertung: 

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