Montag, 23. März 2015

Rezension "Nur mit deinen Augen" von Valerie Bielen

Venedig romantisch und doch voller Spannung 


Cover Nur mit deinen Augen

Valerie Bielen 
Nur mit deinen Augen 
Aufbau Taschenbuch Verlag 
978-3-7466-3082-3 
384 Seiten 
9,99 € 




Der erste Satz: "Waren Sie schon einmal in Venedig?" 

Das Äußere: Das Cover des Taschenbuchs wirkt verträumt. In zarten Farben gehalten, zeigt es ein sich an den Händen haltendes Paar auf einem Steg direkt am Wasser vor Venezianischer Kulisse. Ganz klar ein Liebesroman, und genau das will das Cover auch zeigen.

Das Innere: Alice möchte sich einen Traum erfüllen und gibt ihren sicheren, aber langweiligen Job zugunsten einer Au-Pair-Stelle in Venedig auf. Doch ihre Gasteltern sind sehr fordernd und lassen ihr kaum Zeit, die traumhafte Stadt zu erkunden, so dass sie dazu gezwungen ist, die Nachtstunden zu nutzen, um Venedig besser kennenzulernen. Hier begegnet ihr Tobia, ein reicher Amerikaner, der sich aufgrund seiner Blindheit nur nachts auf die Straßen traut. Die unfreiwilligen Nachtschwärmer kommen sich näher - doch es gibt auch Neider, die mit der Freundschaft der beiden nicht zurechtkommen...

Das Wesentliche: In die Geschichte taucht man direkt ein - ehe man sich versieht, hat man schon etliche Seiten gelesen. Ich habe manchmal kaum gemerkt, wie schnell ich durch die Seiten gehuscht bin. Diesen guten, schnellen Einstieg in die Handlung bietet zunächst Alice Bahnreise Richtung Venedig. Dort angekommen, muss Alice feststellen, dass sie bei einer ziemlich einnehmenden Gastfamilie namens Scarpa gelandet ist. Hier scheint es keine geregelten Arbeitszeiten zu geben, immer muss sie parat stehen, um die zahlreichen Wünsche der Signora zu erfüllen und etliche Botengänge zu erledigen. Doch Alice Freude darüber, in Venedig zu sein, lässt sie die zahlreichen Nachteile ihrer Anstellung ertragen. Alice scheint aber auch kaum Selbstbewusstsein zu besitzen - am liebsten hätte ich sie manchmal wach gerüttelt, vor allem, wenn sie vor ihren Arbeitgebern mal wieder "demütig den Blick gesenkt" hat.

Alice große Zurückhaltung hat mich manchmal etwas verunsichert, weil mir dadurch nicht ganz klar war, ob das Buch wirklich in der Gegenwart spielt. Auch die Sprache erschien mir nicht ganz zeitgemäß - eher so, als wäre das Buch in den 70ern anstatt heute veröffentlicht worden. Da wird "zum Tanz geführt", es werden Dinge "erträumt", "Gedanken gehegt", oder Alice ist "von Nervosität erfüllt". Aber: die Sprache entwickelt auf genau diese Art einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Man kann gar nicht so schnell umblättern, wie man weiterlesen möchte.

Die Sprache ist es aber nicht alleine, wieso ich diesen Eindruck hatte, dass das Buch nicht in der Gegenwart spielt. Auch, dass Alice bisher keinen Freund hatte und abends daheim in Deutschland nie ausgegangen ist, fand ich etwas - naja - seltsam. Das hat mir nicht so gut gefallen, denn ich fand das nicht glaubwürdig für eine junge Frau in ihrem Alter - und ein Buch von heute.

Dennoch habe ich mich zu jeder Zeit sehr wohl mit dem Buch gefühlt - zu schön ist die Handlung rund um die Liebesgeschichte zwischen Alice und Tobia. Alleine der Zauber Venedigs ist von Valerie Bielen so gut festgehalten worden, dass mir sofort klar war: das kann nur jemand schreiben, der sich selbst sehr gut in dieser Stadt auskennt. Man muss aber keine Sorge haben, dass es sich hier um eine nur rosarote Liebesgeschichte handelt - Alice und Tobia haben vor der tollen Kulisse Venedigs etliche spannende Momente alleine und auch miteinander zu bestehen, so dass es garantiert nicht langweilig wird.

Das Fazit: Mir hat das Buch viel Freude gemacht. Die eine oder andere extrem kitschige Stelle oder auch unrealistische Situation konnte ich gut überlesen, weil die Geschichte selbst einen solchen Sog entwickelt hat, dass ich das Buch schlecht weglegen konnte. Für Freunde schöner Liebesromane eine gute Wahl!

Die Bewertung: 

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